Nach CIFUS-Veto

Wolfspeed-Übernahme durch Infineon endgültig geplatzt

17.02.17 | Redakteur: Sebastian Gerstl

Infineon-Firmenhauptsitz in München: Die geplante Übernahme der Cree-Geschäftseinheit Wolfspeed Power and RF durch den deutschen Halbleiteranbieter Infineon ist endgültig gescheitert. Die US-Aufsichtsbehörden haben aus gründen der nationalen Sicherheit ein Veto gegen den Verkauf durchgesetzt. Hinter dem Einspruch vermuten Marktinsider auch den Einfluss der derzeitigen US-Regierung unter Donald Trump.
Infineon-Firmenhauptsitz in München: Die geplante Übernahme der Cree-Geschäftseinheit Wolfspeed Power and RF durch den deutschen Halbleiteranbieter Infineon ist endgültig gescheitert. Die US-Aufsichtsbehörden haben aus gründen der nationalen Sicherheit ein Veto gegen den Verkauf durchgesetzt. Hinter dem Einspruch vermuten Marktinsider auch den Einfluss der derzeitigen US-Regierung unter Donald Trump. (Bild: Infineon)

Besonders für das wichtige Geschäft mit der Autoindustrie hätte Infineon gern in den USA zugekauft. Doch das ist in Zeiten eines Donald Trump kein Selbstläufer: Wie am Finanzmarkt vermutet wird, hatte die aktuelle US-Regierung Einfluss auf das Scheitern der Übernahme.

Der Chiphersteller Infineon muss den geplanten Zukauf des Halbleiterspezialisten Wolfspeed in den USA wie befürchtet ad acta legen. Nachdem ein Ausschuss der US-Regierung für ausländische Investitionen im Land schon sein Veto eingelegt hatte, blies nun auch der Verkäufer, der US-amerikanische Konzern Cree, den Deal endgültig ab. Eigentlich wollte sich der Münchener Halbleiteranbieter mit dem Kauf für künftige Technologien rüsten und dafür 850 Millionen US-Dollar (800 Mio Euro) investieren. Nun muss sich Konzernchef Reinhard Ploss einen anderen Kandidaten suchen.

Ein Infineon-Sprecher erklärte am Freitag, letztlich hätten keine Maßnahmen gefunden werden können, um die Bedenken der US-Aufseher auszuräumen. Bereits auf der Hauptversammlung am Donnerstag hatte Ploss die Wahrscheinlichkeit für den Abschluss des Geschäfts als „extrem gering“ bezeichnet.

Die US-Behörde CFIUS hatte vor rund einer Woche Einspruch gegen den Wolfspeed-Verkauf eingelegt. Das im Juli 2016 eingefädelte Geschäft sei ein Risiko für die nationale Sicherheit. Zunächst hatten Cree und Infineon noch den Versuch angekündigt, die Behörden umzustimmen. Man habe jedoch keine Hinweise erhalten, wie man die Bedenken ausräumen könne, hieß es bereits auf der Aktionärsversammlung. Am Finanzmarkt wurde gemutmaßt, die neue US-Administration unter Präsident Donald Trump habe bei dem Veto eine Rolle gespielt.

Die Behörde hatte allerdings in jüngerer Vergangenheit - auch unter Ex-Präsident Barack Obama - mehrfach grenzüberschreitende Deals blockiert, so etwa den Verkauf des deutschen Spezialmaschinenbauers Aixtron nach China.

„Wir sind enttäuscht, dass der Wolfspeed-Verkauf an Infineon nicht abgeschlossen werden kann“, sagte Cree-Chef Chuck Swoboda. Er stellt Infineon nun eine Ausfallgebühr von 12,5 Millionen Dollar in Rechnung.

Wolfspeed ist eigentlich ein kleinerer Anbieter mit etwa 500 Mitarbeitern, der sogenannte Verbindungshalbleiter herstellt. Infineon rechnete sich aber große Chancen aus, weil Wolfspeed Spezialist für Chips auf Basis neuartiger Grundstoffe wie Siliziumkarbid und Galliumnitrid ist. Diese bieten laut Infineon gegenüber Chips auf Siliziumbasis höhere Schaltfrequenzen und weniger Energieverlust - was sie attraktiv macht etwa für den Einsatz in Elektroautos oder für schnellere Mobilfunktechnik.

Ploss sieht seine Rolle in der derzeitigen Übernahmewelle in der Branche eher als aktiver Part, als Übernahmeziel will er Infineon jedenfalls nicht verstanden wissen. Die großen Räder drehen aber andere: Der US-Spezialist für Mobiltelefonchips Qualcomm will etwa den Infineon-Rivalen NXP für 47 Milliarden Dollar übernehmen.

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