Expertengutachten

Verpasst Deutschland den Anschluss bei der Digitalisierung?

22.02.16 | Redakteur: Franz Graser

Industrie 4.0 ist zu eng gedacht: Die Expertenkommission Forschung und Innovation mahnt eine breite Gesamtstrategie für die Digitalisierung in Deutschland an.
Industrie 4.0 ist zu eng gedacht: Die Expertenkommission Forschung und Innovation mahnt eine breite Gesamtstrategie für die Digitalisierung in Deutschland an. (Bild: fotohansel/Fotolia)

Das jährliche Gutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) stellt der deutschen Politik ein schlechtes Zeugnis aus. Insbesondere im Bereich der Digitalisierung drohe Deutschland gegenüber anderen Ländern zurückzufallen. Kritisiert wird auch die einseitige Fixierung auf Industrie 4.0.

Das Verdikt der Experten ist eindeutig: „Deutschland hat bisher weder in der klassischen IKT-Branche noch in den neuen, internetbasierten Bereichen der digitalen Wirtschaft besondere Stärken aufbauen können. Die Politik hat es versäumt, gute Rahmenbedingungen für neue Geschäftsmodelle zu schaffen, sondern eher auf etablierte Strukturen und Modelle gesetzt.“

Insbesondere kritisieren die Experten, dass sich die Bundesregierung zu sehr auf einen relativ kleinen Bereich der Digitalisierung fokussiere, nämlich auf die sogenannte Industrie 4.0 und die industrielle Produktion. Letztlich würden damit nur die vorhandenen Wirtschaftszweige verteidigt. Andere Initiativen wie die „Smart Service Welt“ oder E-Health seien zu sehr eingeschränkt, als dass sie positive Effekte in der Breite erreichen könnten. Dagegen hätten Start-ups, die ambitionierte neue Geschäftsmodelle erprobten, keinen ausreichenden Zugang zu Wagniskapital sowie Wachstumsfinanzierung.

Was Deutschland aus Sicht der Experten fehlt, ist eine digitale Gesamtstrategie. Die viel zitierte „Digitale Agenda“ der Bundesregierung erfülle diesen Anspruch nicht. Insbesondere empfiehlt die Kommission, Kompetenzen im Umgang mit den digitalen Techniken und Geschäftsmodellen in der Breite zu fördern, und zwar in allen Aus- und Weiterbildungssegmenten.

Service-Robotik steht im Schatten der Automobilbranche

Im Bereich Robotik, so konstatiert die EFI, sei Deutschland derzeit noch gut aufgestellt. Das treffe vor allem auf den Bereich Fahrzeugbau zu. Nationen wie die USA, Japan, Südkorea und China sind jedoch auf dem Sprung, vor allem im Segment der Service-Robotik. Die Experten kritisieren dagegen die starke Konzentration des Robotereinsatzes in der Automobilindustrie.

Aus diesem Grund legt die Kommission der Bundesregierung eine explizite Robotikstrategie nahe, wie es sie bereits in anderen Ländern gebe. Im Rahmen dieser Strategie solle die Service-Robotik angemessen gefördert werden, da die dieses Segment immer wichtiger wird. In den Hochschulen müsse die Robotikforschung deutlich stärker betont werden, zudem müsse auch die duale Berufsausbildung auf die stärkere Nutzung von Robotern eingehen.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Kommentar abschicken

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43880039 / Industrie 4.0)

Elektronikpraxis News täglich 14 Uhr

News und Fachwissen für die professionelle Elektronikentwicklung - incl. ausgewählte dpa-Select News

* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung und AGB einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.

Digitale Ausgabe kostenlos lesen

ELEKTRONIKPRAXIS 12/2016

ELEKTRONIKPRAXIS 12/2016

FPGA-basierte Systeme zeitgemäß entwickeln

Weitere Themen:

Embedded-Software-Strategie
String-PV-Anlagen sicher abschalten

zum ePaper

zum Heftarchiv

ELEKTRONIKPRAXIS 11/2016

ELEKTRONIKPRAXIS 11/2016

Gerätesteckverbinder für das THR- und SMT-Löten

Weitere Themen:

Stabilisierung des Traktionsnetzes
Hall-Sensoren im Automobilbau

zum ePaper

zum Heftarchiv