Gastkommentar

Auch mobile Senioren brauchen ein smartes Home

13.01.16 | Redakteur: Hendrik Härter

Dr. Joachim Schaper, Vice President & Head, Research Organization bei AGT International: Dank des Smart Home können auch alte Menschen in ihrer eigenen Wohnung leben.
Dr. Joachim Schaper, Vice President & Head, Research Organization bei AGT International: Dank des Smart Home können auch alte Menschen in ihrer eigenen Wohnung leben. (Bild: VBM-Archiv)

Ein Assistenzsystem macht das Verhalten und den Lebensstil von älteren Menschen sichtbar. Damit lässt sich auf zunehmende gesundheitliche Probleme schließen, die Privatsphäre bleibt gewahrt.

Dass Altern nichts für Feiglinge ist, hat sich herumgesprochen. Schön, wenn man diese Phase des Lebens dann aber wenigstens in den vertrauten vier Wänden verbringen kann. Schon heute ziehen die meisten Senioren ihre angestammte Umgebung einem Altenheim vor. In gut zehn Jahren geht mit den Babyboomern die erste große Welle von Personen mit IT-Kenntnissen in den Ruhestand. Sie sind vielleicht auch die erste Generation, die Lösungen aktiv nachfragt, die sie unterstützen, ihre Selbständigkeit so lange wie möglich zu erhalten. Smart-Home-Techniken helfen ältere Menschen, allein zu Hause klarzukommen. Das Internet der Dinge (IoT) leistet nicht nur praktische Hilfe, sondern alarmiert gleichzeitig Angehörige und Pflegedienste.

Mit einem Assistenzsystem werden Veränderungen im Verhalten und Lebensstil sichtbar. Es lässt sich erkennen, ob ein älterer Mensch etwa zunehmende gesundheitliche Probleme hat. Die Menschen werden von einem Analyseprogramm unterstützt. Es zeigt, ob jemand wie gewohnt aufsteht und Frühstück macht, sich mittags im Wohnzimmer bewegt und abends schlafen geht. Oder ob es zu Veränderungen beim Verhalten kommt.

Familie oder Pflegedienste erkennen, wenn jemand deutlich später aufsteht als bisher oder wenn die Bewegung abnimmt. Im Wesentlichen werden drei Arten von Sensoren eingesetzt: 1. Elektronische Sensoren evaluieren, ob der Kühlschrank genutzt oder das Licht ein- und ausgeschaltet wird und ob die Rollläden auf oder zu sind. 2. Wassersensoren messen, ob Wasch- und Spülmaschine laufen und wie regelmäßig sich Senioren duschen oder waschen. 3. Sensoren mit Wearables, wie einer Smartwatch, messen den Puls oder erstellen bei entsprechendem Bedarf Bewegungsprofile.

Aus den gewonnenen Daten lassen sich Lebensgewohnheiten und damit ein Aktivitätsbild ableiten. Neu eingehende Daten werden mit vorhandenen abgeglichen. Big Data ermöglicht so einen automatischen Alarm, wenn sich größere Abweichungen von normalen Standards ergeben. Daten lassen sich hinsichtlich kurzfristiger Ereignisse nutzen, um schnell einzugreifen als auch langfristig, um eine langsame Abnahme körperlicher Fähigkeiten zu erkennen.

Damit kann mit entsprechenden Medikamenten oder anderen medizinischen sowie therapeutischen Maßnahmen entgegengewirkt werden. Der Abgleich mit Daten aus Medical Devices wie Blutzuckergeräten ist möglich. Zahlreiche Funktionen greifen Senioren konkret im Alltag unter die Arme. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise potenzielle Unfallrisiken senken. Ist der Herd an, die Küche aber seit längerer Zeit nicht mehr betreten worden, schaltet sich das Gerät automatisch aus. Bei der Medikation können Senioren auf Erinnerungsfunktionen setzen: Steht eine Medikamentengabe aus, gibt die Smartwatch ein entsprechendes Signal.

Datensicherheit ist dabei oberste Prämisse: Alle erfassten Daten müssen so geschützt werden, dass nur die für die Pflege der betroffenen Personen Zugriff haben. Auch werden nur solche Daten erhoben, die für den konkreten Bedarf notwendig sind. Daten werden stets so feingranular erhoben wie nötig und so grob und damit ungenau wie möglich. Darüber hinaus sollte die Verarbeitung der Daten im Haushalt etwa in einem Home Gateway verbleiben.

Die Plattformen sind ebenso wie die Geräte selbst technologisch so weiterentwickelt worden, dass sich Smart-Home-Lösungen in Kürze problemlos in Wohnungen einbauen lassen, um Senioren einen entspannten Alltag in der gewohnten Umgebung zu ermöglichen. In Verbindung mit Big Data schaffen sie damit ein hohes Maß an Unabhängigkeit für ältere Menschen. Diese können zu Hause wohnen, ohne dass sich Angehörige sorgen müssten, dass ihnen etwas zustoßen könnte und es niemand merkt. Spätestens wenn die Babyboomer in das entsprechende Alter kommen, werden die Lösungen für sie etablierter Standard sein.

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Kann so ein System auch funktionieren, wenn der Alltag keine Muster hat, z.B. bei einem aktiven...  lesen
posted am 15.01.2016 um 07:26 von Unregistriert


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