Green Operations

E-Antrieb für Passagier-Jets kommt ins Rollen

21.02.12 | Redakteur: Peter Koller

Der bereits erfolgreich getestete Bugradantrieb der DLR besteht aus zwei hocheffizienten elektrischen Motorantrieben, die in den zwei Felgen des Flugzeugbugrades eingebaut sind. (Fotos: DLR/Lufthansa Technik/Airbus)
Der bereits erfolgreich getestete Bugradantrieb der DLR besteht aus zwei hocheffizienten elektrischen Motorantrieben, die in den zwei Felgen des Flugzeugbugrades eingebaut sind. (Fotos: DLR/Lufthansa Technik/Airbus)

Flugzeugschlepper auf Flughäfen könnten schon bald der Vergangenheit angehören: Die Airline EasyJet will als erste Fluggesellschaft einen E-Antrieb für das Rollen am Boden im Alltag ausprobieren.

Die ersten operativen Tests des Systems sollen einem Blog von EasyJet zufolge im kommenden Jahr beginnen. Zum Einsatz kommt dabei ein System, das von den Firmen Honeywell und Safran entwickelt wurde.

Dabei werden die Räder des Hauptfahrwerks von je einem elektromechanischen System angetrieben. Die Energie dafür wird von der Hilfsturbine des Flugzeugs (APU) erzeugt. EasyJet erhofft sich von dem E-Antrieb für das Rollen am Boden (Taxiing) eine Einsparung von rund vier Prozent Kerosin pro Jahr. Aufgrund der hohen Frequenz und kurzen Flugzeiten bei EasyJet sieht sich die Airling als idealer Kunde für das System.

Durch das E-Taxiing kann aber nicht nur Kerosin gespart werden. Dazu kommt eine Verringerung der Emissionen sowie die Möglichkeit, ohne die Hilfe eines Flugzeugsschleppers vom Gate zurückstoßen zu können. Ein E-Antrieb am Boden könnte zudem die Wartungszyklen der Triebwerke verlängern und das Risiko von Beschädigungen durch eingesaugte Teile (Radarsensor warnt vor Flugzeugteilen auf der Landebahn) vermindern.

Auch die Lufthansa Technik testete Anfang Dezember fünf Tage lang einen mit einem ähnlichen System vom Hersteller L-3 ausgestatteten Airbus A 320, um Daten zu sammeln. Ein weiterer wichtiger Mitspieler auf dem Gebiet der sogenannten "Green Operations" im Luftfahrtbereich ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Auf der Singapore Airshow vergangene Woche stellte das DLR das Exponat eines elektrischen Bugrads aus.

Bug- oder Hauptfahrwerk, APU oder Brennstoffzelle?

Was dieses Konzept von den beiden anderen Unterscheidet, ist - neben dem Antrieb des Bugrades anstelle des Hauptfahrwerks - die Art der Stromversorgung. Statt Energie aus der APU abzuzapfen, die ja auch Kerosin verbrennt, verwendet das DLR-Konzept für diesen Zweck eine noch umweltfreundlichere Brennstoffzelle.

Studien haben laut DLR gezeigt, dass rund 20 Prozent der im Bodenbetrieb am Flughafen produzierten Emissionen wie Stickoxide und Kohlendioxid eingespart werden können. In einem ersten Test mit dem DLR-Forschungsflugzeug A320 ATRA hat das Bugrad bereits 2011 bewiesen, dass der elektrische Antrieb in der Lage ist, Verkehrsflugzeuge dieser Größe zu bewegen.

Die DLR-Wissenschaftler arbeiten bereits an belastbaren Prognosen über die möglichen Vorteile eines elektrischen Hauptfahrwerks, das in der Lage wäre, Flugzeuge bis zu der Größe eines A380 ohne Einsatz der Triebwerke am Boden zu bewegen.

Als Grundlage haben die Forscher ein Schnellzeit-Simulationsprogramm entwickelt, das die Bodenbewegungen der Flugzeuge für einen ganzen Tag simuliert. Diese Simulationsdaten fließen in die anschließende Bewertung von Kerosin-Verbrauch sowie der CO2- und Lärm-Emissionen ein und dienen als Indikator für den Verkehrsfluss und Verspätungen.

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