FH Kaiserslautern

Radio-Standard DRM+ soll preisgünstige Alternative zu DAB werden

30.05.2008 | Redakteur: Hendrik Härter

Bisher dominiert der UKW-Standard in ganz Deutschland. Doch DRM+ könnte eine digitale Alternative werden.(Bildquelle: pixelio)

Analoger UKW-Hörfunk existiert seit 60 Jahren in Deutschland. Auch wenn er kratzt und rauscht. Eigenschaften, die digitales Radio nicht hat. Doch das kommt meist per Satellit und hat nur wenige Nutzer. Eine neue digitale Ära im UKW-Bereich hat die Fachhochschule Kaiserslautern eingeläutet.

Seit März läuft an der Fachhochschule Kaiserslautern ein UKW-Versuchssender, der den Standard Digitale Radio Mondiale Plus (DRM+) auf der UKW-Frequenz 87,6 MHz ins Stadtgebiet und ins Umland abstrahlt. Bisher war das Ziel, den analogen UKW-Hörfunk durch digitales Radio (DAB) zu ersetzten, praktisch nicht umsetzbar.

DRM+ als kostengünstige Alternative zu DAB

„DAB kann in das bestehende UKW-Raster nicht eingepasst werden, es ist sozusagen mit dem heutigen Übertragungsverfahren des UKW-Hörfunks nicht kompatibel“, sagt Andreas Steil, Professor für das Lehrgebiet Nachrichtentechnik im Fachbereich Angewandte Ingenieurwissenschaften an der FH Kaiserslautern. „DRM+ wird eine sehr attraktive Technik — als kostengünstige Alternative zu DAB — für lokale und regionale Hörfunkanbieter, ob privat oder öffentlich, sein, wenn sie eine digitale Programmverbreitung in einigen Jahren anstreben“, ist Steil überzeugt.

HD-Radio und DRM+ bisher in Deutschland nicht möglich

Steil beschäftigt sich nun seit mehr als drei Jahren mit der Digitalisierung des UKW-Bands und hat sich intensiv mit den konkurrierenden Systemen HD-Radio und DRM+ beschäftigt. Beide waren bislang in Deutschland nicht einsetzbar, da es keine gesicherten Aussagen darüber gab, wie diese Systeme im UKW-Band bestehende Sendernetze stören. Außerdem hatten beispielsweise Experten der Flugsicherung Bedenken, dass ihre Frequenz oberhalb des UKW-Radiobereichs gestört werden könnte. Auswirkungen auf den Polizeifunk unterhalb des UKW-Radiobereichs sollten ebenfalls untersucht werden.

Die Laborarbeit zu dem Projekt begann im Frühjahr 2007. Unterstützung fand das Team um Professor Steil von Firmen, die kostenlos hochwertige Technik zur Verfügung stellten, sowie durch den Südwestrundfunk und die ARD-ZDF-Medien-Akademie. Im November veröffentlichte die FH den Abschlussbericht zu den Laboruntersuchungen, über den technischen Rahmen zum störungsfreien Einsatz von DRM+ und HD-Radio.

DRM+ erfüllt europäische Sendenormen

Dabei wurde der Nachweis erbracht, dass die Digitalisierung des UKW-Hörfunks technisch grundsätzlich machbar ist. HD-Radio, das für den amerikanischen Markt standardisiert wurde, erfüllt nicht die europäischen Normen für das Sendesignal und ist deshalb für Deutschland auszuschließen, so das Ergebnis. DRM+ dagegen erfüllt die europäischen Sendenormen und ist konform zum UKW-Raster. Das heißt, Sender auf DRM+ können digital im UKW-Umfeld eingeplant werden. Dabei wurde im Sendeversuch, der seit März läuft, auch deutlich, dass weder der Funkverkehr in der Luft, noch behördliche Frequenzen gestört werden. DRM+ hat nach den Untersuchungen von Steil auch den Vorteil, dass im Vergleich zu analogem UKW-Radio keine zusätzlichen Frequenzen gebraucht würden, obwohl sich ein Mehrwert für die Hörer bei der Versorgungssicherheit im mobilen Empfang als auch in der Qualität ergebe.

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