GE Fanuc Intelligent Platforms

Adrian Bernhard über die Strategie und Ausrichtung von GE Fanuc im Embedded-Geschäft

16.02.2009 | Redakteur:

Adrian Bernhard, GE Fanuc: Anspruch als führender Anbieter von Industriestandards
Adrian Bernhard, GE Fanuc: Anspruch als führender Anbieter von Industriestandards

Welche Richtung, Strategien und Pläne verfolgt GE Fanuc mit seinem Embedded-Geschäft in den nächsten Jahren? ELEKTRONIKPRAXIS sprach mit Adrian Bernhard, General Manager Commercial Business bei GE Fanuc Intelligent Platforms in Augsburg.

Wie entwickelt sich die Eingliederung Ihrer Akquisitionen SBS, Radstone, Condor, Computer Dynamics etc.? Welche Synergieeffekte sind erkennbar?

Der Fortschritt ist erfreulich und erfolgt wie erhofft, allerdings müssen noch einige Aspekte verbessert werden. Wir schlagen jedenfalls die richtige Richtung ein. Synergien erfolgen eher wenige. Es kommt darauf an, wie sich die verschiedenen Produktlinien gegenseitig ergänzen. Sicher gibt es Überschneidungen, wir bringen allerdings Produkte zusammen, mit denen wir einen größeren Anteil der Kundenanforderungen erfüllen können.

Unser Ziel, mehr als nur Produkte, sondern Lösungen zu bieten, lässt sich eher erreichen, wenn eine Reihe von Produkten angeboten wird — so wie es heute der Fall ist. Unsere Kunden schätzen Single-Source-Anbieter: Interoperabilität, Kompatibilität und vor allem Service und Support aus einer Hand sprechen für sich. Es gibt aber auch Synergieeffekte: Früher getrennte Geschäftseinheiten profitieren durch die Erfahrung anderer Geschäftseinheiten.

So wollten wir z.B. eine neue Familie von Embedded-Computing-Plattformen einführen, die für zahlreiche Kunden interessant gewesen wäre. Die Plattform hätte auf Industriestandards basiert und wäre damit Gefahr gelaufen, als „jetzt auch im Angebot“ angesehen zu werden. Es zeigt sich aber, dass eine wichtige Kundenanforderung in diesem Bereich nicht adressiert wurde. Den Kunden missfiel die Tatsache, dass diese Plattformen stets an neueste Technologien angepasst werden müsste.

Jedes Mal, wenn sich die Plattform ändert, müsste der Kunde Zeit und Kosten aufwenden, um diese erneut zu qualifizieren. Dies wollten die Kunden nicht weiter hinnehmen. Zum Glück weisen einige unserer Geschäftsbereiche eine lange Produktkontinuität auf, um die Auswirkungen einer Abkündigung zu minimieren. Dieses Prinzip findet auch bei unseren neuen Produkten Anwendung; wir garantieren eine Verfügbarkeit von fünf Jahren oder mehr.

Auf welche Bereiche konzentriert sich das kommerzielle Embedded-Geschäft bei GE Fanuc?

Unser kommerzieller Markt schließt die ebenfalls von uns bedienten Bereiche Verteidigungs- und Luft-/Raumfahrttechnik aus. Die Telekommunikation ist dabei von besonderer Bedeutung – vor allem mit unserem AdvancedMC- und MicroTCA-Angebot. Hinzu kommen Produkte für industrielle Anwendungen wie die Fabrikautomatisierung, für medizintechnische Produkte, Gaming und Unterhaltung, für Simulation und Test, Sicherheit, Point of Sale oder für die Gas- und Ölförderung. Es gibt also kaum einen Markt, den wir nicht bedienen.

Auf welche Schlüsseltechnologien greift GE Fanuc bei seinem Angebot für den kommerziellen Markt zurück?

Im Bereich der Telekommunikation ist MicroTCA eine der wichtigen Technologien. MicroTCA ist skalierbar, einfach zu verwalten, kosteneffizient und leistungsfähig. Es bietet alle Eigenschaften einer Technologie, auch in vielen Märkten außerhalb des ursprünglich zugedachten Telekom-Bereichs zum Erfolg zu werden.

Auch im Bereich Ethernet verzeichnen wir mit unserem Angebot an Managed- und Unmanaged Switches Zuwächse. Lange Zeit wurde gemutmaßt, dass Ethernet im Angesicht neuer Kommunikationstechniken verschwinden würde. Durch die Internet-Revolution wächst es jedoch weiter und erreicht heute sogar 40 GBit/s Datenumsatz.

Ein weiterer Bereich, in den wir für unsere Kommunikationskunden investiert haben, sind die Paket-Prozessoren. Wir bieten heute eine Reihe Cavium-basierter Produkte, die verschiedene Formfaktoren abdecken und somit eine Erweiterung unseres Angebots im Kommunikationsbereich darstellen. PC-basierte Technologien schließen unser kommerzielles Angebot ab.

Welche Strategie verfolgt GE Fanuc im kommerziellen Markt? Wie differenziert sich das Produktangebot?

Unsere Strategie basiert auf verschiedenen Säulen. Zuerst nutzen wir den Vorteil unseres breiten Produktangebots, d.h. wir können dem Kunden genau die Lösung bieten, die er benötigt. Er muss seine Anforderungen also nicht zurückschrauben. Zweitens, können wir für Kunden zum Single-Source-Zulieferer werden: für große Organisationen bedeutet dies, dass weniger Zulieferer von Vorteil sind. Und drittens ist es uns möglich, mehr Komplettlösungen zu entwickeln, wie z.B. Subsysteme. Unsere Kunden können sich damit auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und Systeme schneller implementieren.

Ein Beispiel dieser Strategie sind unsere vorvalidierten, modularen MicroTCA-Plattformen. Wir fanden heraus, dass Kunden bei der Evaluierung von MicroTCA zögern, da Ungewissheiten und mangelnde Erfahrung vorherrschen.

Kompatibilität und Interoperabilität werfen dabei Fragen auf. Wir nahmen uns dieser Thematik an und entwickelten zwei vorkonfigurierte und vorvalidierte Plattformen, sodass die Kunden wesentlich produktiver und schneller handeln können. Eine weitere Säule unserer Strategie ist natürlich, ein führender Anbieter von Industriestandards zu sein.

Dabei kann es sich um CompactPCI oder Intel, Linux oder Windows, Ethernet oder PCI Express handeln: wichtig ist, dass die Vorteile dieser Standards den Kunden erreichen. Wir müssen sicherstellen, dass durch die Implementierung dieser Standards ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis erzielt wird.

Welche Kundenbelange treten in den von Ihnen bedienten Märkten auf und wie adressieren Sie diese Belange?

Davon gibt es einige! Kunden wollen Zulieferer, denen sie vertrauen können und die sie langfristig unterstützen. Sie wollen Industriestandards, damit sie nicht in einer technologischen Sackgasse enden. Sie wollen ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis, was nicht unbedingt heißt, dass sie das billigste Produkt wollen. Unsere aufgeklärten Kunden wissen, dass sie das bekommen, für was sie auch gezahlt haben. Sie wissen auch, dass zwischen Kaufpreis und Kosten über der Lebensdauer ein Unterschied besteht. Sie wollen Zuverlässigkeit und immer mehr auch Produkte, die in rauen Umgebungen einsatzbereit sind.

Sie sagten, dass die Telekommunikation ein wichtiger Markt für GE Fanuc ist. Was können Sie diesen Kunden bieten, um Ihr Unternehmen vom Wettbewerb abzusetzen?

Wir agieren schon sehr lange in diesem Markt und haben uns daher einen umfangreichen Erfahrungsschatz angeeignet, der uns von bestimmten Wettbewerbern unterscheidet. Zweitens, verfügen wir über eine weltweite Präsenz, was im Telekommunikationsmarkt mit seinen zahlreichen Beteiligten von Bedeutung ist.

Außerdem bieten wir ein breites Produktangebot, d.h. der Kunde kann sich an uns wenden und er erhält auch das für ihn am besten geeignete Produkt. Und schließlich sind wir sehr aktiv in der Suche nach strategischen Partnerschaften, wie z.B. mit Cavium und 6Wind. Damit bleiben wir technologisch an der Spitze, was wiederum ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis und optimale Funktionalität verspricht.

GE Fanuc spricht viel über MicroTCA und AdvancedMCs. Viele sehen darin Anwendungen für den Telekommunikationsmarkt. Teilen Sie diese Meinung?

Nein, in der Tat nicht. Die Leistungsmerkmale dieser Technik, die sie auf den ersten Blick für den Telekommunikationsmarkt interessant machen, sind für viele Anwendungen in der Industrie genauso interessant. Der Bereich der Telekommunikation erkennt eben dieses Potenzial zuerst.

Was sind nun diese Leistungsmerkmale? Ich möchte nur drei davon aufgreifen. Erstens, ist die Technik von sich aus hochskalierbar. Das grundlegende Konzept von MicroTCA ist, dass ein MicroTCA-System aus fast jeder Anzahl und/oder Art von hot-swappable AdvancedMC-Boards bestehen kann.

Theoretisch kann eine MicroTCA-Plattform aus nur zwei Chassis-Slots bestehen oder mehrere Shelves mit je 12 Modulen umfassen. Ein Einsteigersystem kann aus einer integrierten Lüftereinheit, einem Stromversorgungsmodul und einer CPU mit MCH (MicroTCA Carrier Hub) bestehen. Diese Modularität ermöglicht ein „Pay as you Grow“-Modell, bei dem der Kunde eine minimale Anfangsinvestition tätigt und das System in kleinen, erschwinglichen Schritten und je nach Bedarf weiter ausbaut. Nur wenige andere Rechnerarchitekturen bieten diesen Grad an Skalierbarkeit und Integrationsdichte.

Zweitens, zählt die Leistungsfähigkeit. Nicht nur die Datenverarbeitungsleistung ist hoch — durch die Möglichkeit, mehrere Prozessoren innerhalb der gleichen Plattform konfigurieren zu können — sondern der Anwender hat auch Zugriff auf eine Vielzahl von Kommunikations- und Schnittstellentechniken — einschließlich Gigabit Ethernet, PCI Express, XAUI, Serial RapidIO und Infiniband sowie auch auf Speicherschnittstellen wie SAS, SATA und Glasfaser.

Ein dritter, wichtiger Vorteil der MicroTCA-Architektur ist das vielfältige Angebot an AdvancedMC-Modulen am Markt. GE Fanuc Intelligent Platforms bietet zahlreiche AMC-Produkte. Diese Vielfalt trägt in großem Maße zu den geringen Kosten von MicroTCA im Laufe der Systemlebensdauer bei. Ein so hoch umkämpfter Markt garantiert einen Preiswettbewerb, bei dem jeder Anbieter versucht, seinen Wettbewerber in Sachen Kundendienst zu überbieten.

Allein schon die Architektur führt zu niedrigen Kosten über der Lebensdauer. Intelligentes Management erkennt Komponenten, die bald ausfallen werden — und zwar noch bevor sie eine Ausfallzeit verursachen können. Die Fernsteuerungsmöglichkeit von MicroTCA-Plattformen ist von Grund auf mit integriert, genauso wie die hohe Verfügbarkeit. Genau aus diesen und noch anderen Gründen gehen wir davon aus, dass MicroTCA immer mehr Interesse im Industriebereich finden wird und jenseits der Telekommunikation zum Einsatz kommt.

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