Venture Capital

Immer mehr Großunternehmen investieren in Tech-Startups

| Redakteur: Franz Graser

Startup gesucht: Auf dem deutschen Venture-Capital-Markt engagieren sich immer mehr Großunternehmen, die sich mit Tech-Startups zu verstärken suchen.
Startup gesucht: Auf dem deutschen Venture-Capital-Markt engagieren sich immer mehr Großunternehmen, die sich mit Tech-Startups zu verstärken suchen. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Großunternehmen spielen eine immer größere Rolle, wenn es um die Finanzierung von Startups aus dem Tech-Bereich in Deutschland geht. Sie möchten auf diesem Weg Ideen fördern, die zu ihrem Unternehmen und ihrem Geschäftsmodell passen. Das zeigt eine Studie von Ernst & Young.

„Großunternehmen investieren bevorzugt in Startups aus dem Tech-Bereich, um häufig bestehende Lücken in der Digitalisierung zu schließen und die digitale Transformation erfolgreich zu gestalten“, sagt Thomas Prüver, Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY).

Dazu nutzen Großunternehmen und Konzerne zwei Wege: Auf der einen Seite treten sie selbst als Venture-Capital-Investoren auf, um sich an Startups bereits in Frühphasen zu beteiligen, oder sie übernehmen die jungen Firmen in einem späteren Stadium. Aber auch der deutsche Mittelstand interessiert sich zunehmend für Startups, um den digitalen Wandel zu bewältigen.

Insgesamt haben die 100 am höchsten finanzierten Startups aus dem Tech-Bereich seit ihrer Gründung bis Dezember 2016 Finanzmittel in Höhe von 5,9 Milliarden US-Dollar eingesammelt, wie die EY-Studie „Funding, Growth and Profitability: Tech Startups finding the right balance“ zeigt. In Fokus standen dabei junge Firmen mit Fokus auf Trendthemen wie Ernährung oder Finanzdienstleistungen.

„Startups mit einer guten Geschäftsidee haben nur geringe Probleme, eine Finanzierung für die frühe Phase ihrer Existenz zu finden“, betont Prüver. Das Interesse der Investoren und auch von Business Angels in diesem Stadium ist sehr groß, die enorme Nachfrage führt zu hohen Bewertungen von Start-ups in frühen Phasen. 2016 konnten 32 neue Venture-Capital-Fonds insgesamt 6,2 Milliarden US-Dollar einsammeln, wie aus der Studie hervorgeht.

Auch zahlreiche im Dax notierte Konzerne beteiligen sich mit eigenen Venture-Capital-Fonds an Startups. So wurde zum Beispiel der BMW iVenture Capital Fund 2016 mit 500 Millionen Euro ausgestattet. Er konzentriert sich auf Entwicklungen in den Bereichen Elektromobilität, autonomes Fahren, Digitalisierung, Cloud-Dienste und künstliche Intelligenz.

Ebenso legte Siemens 2016 den Fonds next47 mit einem Volumen von einer Milliarde Euro auf. „Startups bieten einen guten Rahmen, um neue Ideen auszuprobieren und voranzutreiben. Sie bieten jungen Gründern mehr Freiheit und Kreativität als das oft enge Korsett eines Konzerns“, so Prüver.

Die wichtige Rolle von etablierten Unternehmen zeigt sich auch auf dem M&A-Markt: 97 Prozent aller Fusionen und Übernahmen bei deutschen Tech-Start-ups gehen 2016 auf sie zurück. Finanzinvestoren machen dagegen nur drei Prozent der Käufer aus. Damit nutzen die jungen Firmengründer den Verkauf an etablierte Unternehmen als bevorzugten Exit-Kanal. "Die Start-ups werden in einer relativ frühen Phase verkauft. Für sie ist es schwierig, an Größe zu gewinnen. Sie können ihr Wachstumspotenzial nicht voll ausschöpfen", sagt Prüver.

Übernahmen von Tech-Startups fanden 2016 hauptsächlich in den Branchen Medien, Technologie und dem Einzelhandel statt. 31 Prozent der Transkationen gehen auf die Medienbranche zurück. Die deutschen Großverlage kaufen durch Übernahmen nach wie vor digitales Know-how ein, um ihre Geschäftsmodelle zu erweitern und neue Ertragsquellen zu erschließen.

„Wir rechnen 2017 mit einem stark anziehenden Transaktionsgeschäft im Energie- und Automobilsektor. Diese Branchen sind derzeit am stärksten vom disruptiven Wandel betroffen. Zahlreiche Start-ups beschäftigen sich mit neuen innovativen Ideen in diesen Sektoren“, betont Prüver. Der EY-Fachmann rechnet damit, dass Finanzinvestoren 2017 stärker auf dem deutschen M&A-Markt für schnell wachsende Unternehmen aktiv werden.

Aber auch etablierte Unternehmen werden sich 2017 verstärkt auf dem Transaktionsmarkt für junge und lukrative Tech-Start-ups engagieren, um sich auf diesem Weg fit zu machen für die digitale Transformation.

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