Standards im Smart Home

Warum das Smart Home keinen allumfassenden Standard benötigt

| Autor / Redakteur: Günther Ohland* / Hendrik Härter

Braucht das Smart Home einen allumfassenden Standard? Das fragt Günther Ohland von der SmartHome Initiative Deutschland.
Braucht das Smart Home einen allumfassenden Standard? Das fragt Günther Ohland von der SmartHome Initiative Deutschland. (Bild: SmartHome Initiative Deutschland)

Ist das Smart Home zum Scheitern verurteilt, weil es keinen einheitlichen Standard gibt? Günther Ohland von der SmartHome-Initiative Deutschland sieht das anders.

Im Smart Home gibt es keinen allumfassenden Standard, der Kompatibilität und Interoperabilität quer über alle Produktgruppen und Hersteller ermöglicht.

Viele sehen das als das wesentliche Hemmnis für den Durchbruch von Smart Home zum Massenmarkt. Ist das wirklich so? Was wünscht das Handwerk und was erwarten Endkunden von Herstellern und Handel? Was verhindert ein fehlender, einheitlicher Smart-Home-Standard tatsächlich?

Fünf Stolpersteine, die angeblich den Durchbruch des smarten Zuhause zum Massenmarkt verhindern, werden immer wieder genannt. Das sind

  • zu teuer,
  • zu schnell technisch überholt,
  • zu kompliziert für den Anwender,
  • fehlender Datenschutz und
  • zu viele Standards bzw. das Fehlen eines allumfassenden Smart-Home-Standards.

Das Argument „zu teuer“ kann man nicht ernsthaft gelten lassen, denn richtig geplant, ist eine smarte Installation grundsätzlich nur unwesentlich oder gar nicht teurer, als eine weniger smarte Umgebung. Mehr Funktionen kosten allerdings auch mehr Geld. Ein Dimmer ist beispielsweise teurer als ein Schalter. Ein Rollladenmotor ist teurer als ein manueller Gurtwickler. Beim Preisvergleich werden leider häufig Äpfel mit Birnen verglichen.

Hardware im Smart Home hat Bestand

Beim Argument „technisch zu schnell überholt“ wird gern das Smartphone oder das TV-Gerät als Beispiel angeführt. Doch diese Vergleiche ziehen nicht. Smartphones sind der Mode unterworfen. Das Geschäftsmodell der großen Hersteller ist es, durch neue Funktionen dafür zu sorgen, dass sich Nutzer vorzeitig von ihrem einwandfrei arbeitenden, aber altmodischen Smartphone trennen.

Beim TV-Gerät verhält es sich genauso. 3D, Curved Design und immer größere Diagonalen fördern diesen Trend. Aber was soll ein Rollo- oder Dimm-Aktor an neuen Features bieten? Neue Funktionen, beispielsweise die Integration von Alexa oder Push-Message-Diensten, lassen sich per Software auf die Zentrale laden. Sensoren und Aktoren bleiben dabei unangetastet. Smart Home ist Haustechnik und dafür ausgelegt, solange zu funktionieren, wie das Haus steht. Ein Ersatzteil muss auch im Jahr 2025 eine Smart-Home-Installation von 2014 reparieren können.

Smart Home unterstützt den Anwender

Das Argument „alles wird komplizierter und ich kann mein Haus nicht mehr bedienen“ zeigt, dass hier die Idee des Smart Home nicht verstanden wurde. Smart-Home-Assistenten erleichtern das Leben, sie befreien von Routineaufgaben. Bedienerinteraktion soll die Ausnahme sein.

Es ist also nicht smart, das Licht mit dem Smartphone einzuschalten – ganz im Gegenteil. Das wäre viel umständlicher als per Schalter an der Wand oder per Bewegungssensor. Smart-Home-Installationen, die das Leben verkomplizieren, sind schlicht und einfach falsch geplant und errichtet.

Kommen wir zum Datenschutz: Das ist allerdings ein Thema, bei dem noch viel im Argen liegt. Wenn sich ein Endkunde für eine reine Cloud-Lösung entscheidet, also ohne Smart-Home-Zentrale in der Wohnung, dann gibt er die Hoheit über die Daten ab, die im täglichen Leben anfallen. Sensoren melden in die Cloud die An- bzw. Abwesenheit, die Wunschtemperatur, über den CO2-Gehalt der Luft, die Anzahl der Personen in der Wohnung, wann man morgens aufsteht und abends heimkommt, wann man schlafen geht, welche Musik man hört und noch manches mehr.

Wer sich für solch eine – allerdings meist preiswerte – Lösung entscheidet, muss wissen, was er tut und er darf sich dann nicht beschweren, dass er nicht genau weiß, was mit seinen Daten passiert. Smart-Home-Systeme mit lokaler Zentrale geben persönliche Daten nicht weiter und sie funktionieren auch dann, wenn das Internet ausfällt. Die Angst davor, ein gläserner Bewohner zu werden, ist mehr ein Problem der Konsumentenaufklärung, denn es gibt Alternativen zu den „alles verratenden“ Smart Homes.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Selten eine solche Ignoranz gesehen. Gerade der Vergleich mit dem Auto beweist es ja, dass der...  lesen
posted am 29.06.2017 um 18:57 von schönegg

Wo ist denn eigentlich dieses Smart Home? Jede Menge Bautätigkeit um mich herum, aber selbst bei...  lesen
posted am 29.06.2017 um 16:12 von Olaf Barheine

Der Vergleich mit dem Auto zeigt genau, was der Autor ignoriert: Ich kann mit JEDEM Auto an JEDER...  lesen
posted am 29.06.2017 um 12:06 von Unregistriert


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44759839 / IoT)