100.000.000fache Rechenleistung

Google bestätigt Funktion des D-Wave-Quantencomputers

10.12.15 | Autor: Sebastian Gerstl

Quantencomputer von D-Wave Systems: 2013 kauften Google und die NASA gemeinsam das System, das eine Rechenleistung von 512 Qbits erbringen soll. Laut Google könne das Unternehmen nun bestätigen, dass das System in der Lage ist, bestimmte Rechenaufgaben 100 Millionen mal schneller als auf herkömmlichen Computern durchzuführen.
Quantencomputer von D-Wave Systems: 2013 kauften Google und die NASA gemeinsam das System, das eine Rechenleistung von 512 Qbits erbringen soll. Laut Google könne das Unternehmen nun bestätigen, dass das System in der Lage ist, bestimmte Rechenaufgaben 100 Millionen mal schneller als auf herkömmlichen Computern durchzuführen. (Bild: D-Wave Systems)

Es könnte eine Revolution in der Computerwelt bedeuten: Seit zwei Jahren tüfteln Google und die NASA am Quantencomputersystem D-Wave 2X. Nun hat Google eine Erfolgsmeldung präsentiert: Der Quantencomputer funktioniert – bis zu 100 Millionen mal schneller als konventionelle Rechner

Google-Ingenieur und Quantencomputer-Forscher Hartmut Neven hat in einem offiziellen Blog-Post einen möglichen Durchbruich für Quantencomputer veröffentlicht. Demnach sei der vor zwei Jahren vom Hersteller D-Wave Systems erworbene Spezialrechner in der Lage, eine hochkomplexe Rechenaufgabe, für die ein Single-Core-System etwa 10.000 Jahre brauchen würde, innerhalb weniger Sekunden erfolgreich zu lösen.

Foto eines Quantencomputer-Chips, hergestellt von D-Wave Systems.
Foto eines Quantencomputer-Chips, hergestellt von D-Wave Systems. (Bild: D-Wave Systems)

Die Leistung eines Quantencomputers wird mit Quantumbits bzw. Qbits bemessen. Gemäß den Gesetzen der Quantenmechanik besäße ein solches Qbit nicht den Wert 0 oder 1, sondern kann in jeweils sich überlagernden Zuständen die Werte 0 und 1 gleichzeitig besitzen. Das von Google verwendete System arbeitet nach Angaben des Herstellers D-Wave Systems mit 512 Qbits. Unter bestimmten Bedingungen könnte dieser Rechner 100.000.000mal so schnell rechnen wie ein konventioneller binärer PC, wie Neven in einem wissenschaftlichen Aufsatz näher ausführt.

Die kanadische Firma D-Wave Systems, Hersteller des Rechners, arbeitet nach eigenen Angaben bereits seit zehn Jahren an Quantencomputern und Qbit-Chips. Bislang war nicht klar, ob ein solcher Computer überhaupt funktionieren kann – Kritiker warfen dem Unternehmen vor, keine „echten“ Quantencomputer zu entwickeln und die angeblichen Quanteneffekte nur zu simulieren. Mit dem Blogpost stellt Google nun klar, dass der Rechner funktioniert – wenigstens unter konkreten Bedingungen. Demnach werden absolute Dunkelheit, Stille und Temperaturen nahe dem Nullpunkt im Inneren des Rechnergehäuses benötigt.

Von Hartmut Neven veröffentlichte Vergleichsauswertung: "Während die Skalierbarkeit der Größen zwischen den einzelnen Methoden vergleichbar ist, sind sie wieder durch einen großen Faktor getrennt, bisweilen in einer Höhe von 10^8".
Von Hartmut Neven veröffentlichte Vergleichsauswertung: "Während die Skalierbarkeit der Größen zwischen den einzelnen Methoden vergleichbar ist, sind sie wieder durch einen großen Faktor getrennt, bisweilen in einer Höhe von 10^8". (Bild: Google / Hartmut Neven)

Obwohl die erzielten Resultat laut Niven eindeutig die Funktion des Quantencomputers belegen („Es funktioniert“), stehe man mit der Entwicklung dennoch noch am Anfang, ehe die Technologie praktikable Anwendungen findet. Mit Hilfe von Physikern und Hardware-Spezielisten möchte man den Quantencomputer auch abseits der Entwicklungen von D-Wave-Systems weiter perfektionieren, also praktikabel und „noch besser“ machen. Eigene Quantenprozessoren und Supraleiter seien hierfür ein nötiger Schritt.

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Wenn die genannte Rechenleistung tatsächlich praktisch nutzbar realisiert wird, dann Gnade uns...  lesen
posted am 15.12.2015 um 11:07 von Unregistriert

Wenn ein Bit dann 0 oder 1 sein kann, dann ergibt eine Addition von 1 + 1 ja 0, 1 oder 2. Sehr...  lesen
posted am 14.12.2015 um 10:51 von Unregistriert

Die Zahlen passen nicht zusammen. für die ein Single-Core-System etwa 10.000 Jahre brauchen würde,...  lesen
posted am 13.12.2015 um 13:05 von Yoptino

Das mit den 40 Jahren könnte hinkommen. Wendelstein-7 in Greifswald wurde heute...  lesen
posted am 11.12.2015 um 23:55 von Unregistriert

Die praktische Realisierung der Fusion ist seit 40 Jahren nur 40 Jahre entfernt.  lesen
posted am 11.12.2015 um 13:39 von Unregistriert


Mitdiskutieren

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43777460 / Technologie & Forschung)

Elektronikpraxis Magazin

ELEKTRONIKPRAXIS 23/2016

ELEKTRONIKPRAXIS 23/2016

Prozessoren und Tools für kompakte Bildverarbeitung

Weitere Themen:

Oszillatoren für sichere Bordnetze
Redesign für Health Care

zum ePaper

zum Heftarchiv

Embedded Software Engineering

Embedded Software Engineering

Entwicklung und Zertifizierung deutlich vereinfacht

Weitere Themen:

User Experience Design und agile Methoden
IoT-Sicherheit muss auf Vertrauen basieren
So sieht zukunftsfähige Embedded- Entwicklung aus

zum ePaper

zum Heftarchiv