Landtechnik

Start-up von Bosch rüstet Landwirte mit Sensoren, Apps und Robotern aus

09.11.15 | Autor: Thomas Kuther

Agrarrobotik bei Bosch – neuer Helfer in der Pflanzenzucht: Die Zentrale Forschung und Vorausentwicklung von Bosch arbeitet unter anderem an dem neuen Agrarroboter Bonirob. Seine Sensoren erkennen verschiedene Pflanzen und machen unter anderem eine automatisierte Unkrautbekämpfung möglich. Professor Amos Albert entwickelt das System zusammen mit seinen Kollegen in Renningen bei Stuttgart.
Agrarrobotik bei Bosch – neuer Helfer in der Pflanzenzucht: Die Zentrale Forschung und Vorausentwicklung von Bosch arbeitet unter anderem an dem neuen Agrarroboter Bonirob. Seine Sensoren erkennen verschiedene Pflanzen und machen unter anderem eine automatisierte Unkrautbekämpfung möglich. Professor Amos Albert entwickelt das System zusammen mit seinen Kollegen in Renningen bei Stuttgart. (Bild: Bosch)

Das Start-up Deepfield Robotics von Bosch unterstützt Landwirte mit intelligenter Technik: Automatische Bilderkennung sorgt für bessere Erträge, ein Agrarroboter beseitigt Unkraut automatisch ohne Gift und Sensoren sowie eine App optimieren den Spargelanbau.

Doppelte Premiere auf der weltgrößten Landtechnikmesse Agritechnica , die vom 10. bis zum 14. November in Hannover stattfindet: Das Start-up Deepfield Robotics von Bosch zeigt vernetzte Sensoren für den besseren Spargelanbau sowie den Agrarroboter Bonirob (Halle 9, Stand F02). Beide Innovationen haben mehr Qualität und Ertrag in der Landwirtschaft zum Ziel. Bosch kombiniert dafür seine Kompetenzen in den Bereichen Sensorik, automatischer Navigation sowie Algorithmik und Software zur Bilderkennung. Die mit den Bosch-Lösungen möglichen Fortschritte bei der Pflanzenzucht sind ein wichtiger Beitrag, um die stetig wachsende Weltbevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Um rund drei Prozent jährlich müssen die Erträge in der Landwirtschaft dafür zunehmen.

Agrarroboter Bonirob manövriert zentimetergenau

Hierbei hilft der flexible Agrarroboter Bonirob mit der automatischen Analyse von Pflanzen. Der Roboter ist so groß wie ein Kleinwagen. Er manövriert dank video- und laserbasierter Positionsbestimmung sowie Satellitennavigation auf den Zentimeter genau über das Feld. Mit seinen Kameras und Computern zur Bildanalyse erkennt und klassifiziert der Bonirob die Pflanzen. Dies hilft besonders Züchtern, die in akribischer Arbeit tausende Gewächse auf Blattgröße und -farbe, Fruchtgröße und -form oder Insektenbefall analysieren müssen. Auf Basis dieser Ergebnisse entscheiden die Züchter, mit welchen Pflanzen sie weiterarbeiten möchten. Diese sogenannte Bonitur ist auch Namensgeber für den Bonirob. „Die automatisierte Analyse spart viel Zeit und Mühe“, erklärt Professor Dr. Amos Albert, Leiter von Deepfield Robotics.

Umwelt schonende Unkrautbeseitigung

Der Bonirob beschleunigt aber nicht allein die Pflanzenzucht. Anhand der Blattformen unterscheidet er Nutzpflanzen von Unkraut. Mithilfe eines millimetergenau gesteuerten Rammstabs beseitigt er das Unkraut dann mechanisch statt mit Gift: Die unerwünschten Pflanzen werden mit hoher Geschwindigkeit in den Boden gepresst. Beim „2015 euRobotics Technology Transfer Award“ auf dem Europäischen Robotik-Forum in Wien wurde der Bonirob im Frühjahr ausgezeichnet. Gewürdigt wurde das Konzept, den Roboter je nach Aufgabe mit einem passenden Modul auszustatten. Diese sogenannten Apps gibt es zum Beispiel für die Messung der Bodendichte, die mechanische Unkrautregulierung oder die Pflanzenzucht. Im September 2015 hat der Agrarroboter von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt den Deutschen Innovationspreis Gartenbau in der Kategorie Technik erhalten.

Vernetzter Spargelsensor verbessert Erträge

Zudem präsentiert das Bosch-Start-up in Hannover unter dem Namen „Deepfield Connect – Asparagus Monitoring“ einen Funksensor für bessere Erträge im Spargelanbau. Der Sensor misst die Temperatur in den Erdwällen mit dem Gemüse und überträgt sie auf das Smartphone der Landwirte. Diese können den Temperaturverlauf ihrer Kultur damit im Detail verfolgen und die Wachstumsbedingungen des Spargels optimieren. Das Agritechnica-Innovationskomitee hat dieser Lösung im September eine Silbermedaille verliehen. Zur Begründung hieß es, dass der Funksensor den Anteil der marktfähigen Ware erhöht und so zu Mehreinnahmen führt. Zudem spart das System Zeit und Geld, weil der Landwirt seltener aufs Feld fahren muss.

Sensoren helfen beim Einstellen der optimalen Temperatur

Spargel wächst besonders gut bei 18 bis 22 °C. Dies erreichen Landwirte unter anderem durch das Abdecken der Wälle mit Folien, die auf der einen Seite weiß und auf der anderen Seite schwarz gefärbt sind. Um den Damm durch das Sonnenlicht zu heizen, wird die schwarze Seite nach außen gekehrt, um ihn bei zu großer Wärme zu kühlen, die weiße. Die Bosch-Lösung besteht aus mehreren Temperatursensoren. Sie werden in unterschiedlicher Tiefe in die Erde gebracht und erfassen die Temperatur. Kabel übertragen die Messwerte an eine kleine Box, die die Daten via Funk in eine auf der Bosch IoT Suite basierende Cloud überträgt. Von dort aus werden die Informationen zu einer App auf dem Smartphone der Landwirte geschickt. Die Bosch IoT Suite ist eine umfassende Softwarelösung, mit der sich Anwendungen im Internet der Dinge entwickeln, bereitstellen und betreiben lassen.

Weitere Bosch-Innovationen auf der Agritechnica

Bosch Rexroth präsentiert auf der Agritechnica zahlreiche Neuheiten aus den Bereichen Hydraulik, Elektronik sowie Elektrik und Software. Dazu zählt unter anderem eine flexible Mobilhydraulik-Ventilplattform für Traktoren. Der Bereich Automotive Aftermarket stellt unter anderem das Bosch Surround View System vor, das dem Fahrer von Traktoren ein komplettes Abbild des Fahrzeugumfelds aus der Vogelperspektive zeigt und ihn beim Rangieren unterstützt. Auch ein Hybridsystem für das Off-Highway-Segment ist zu sehen (Halle 17, Stand G08).

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