Colossus

Der erste elektronische Computer feiert heute 70. Geburtstag

05.02.14 | Redakteur: Peter Koller

Der erste elektronische Computer der Welt: Colossus, hier der funktionsfähige Nachbau im NMOC
Der erste elektronische Computer der Welt: Colossus, hier der funktionsfähige Nachbau im NMOC (NMOC)

Genau heute (5. Februar 1944) vor 70 Jahren hat der erste speicherprogrammierbare elektronische Computer der Welt das Licht der Welt erblickt. Sein Name war Programm: Colossus.

Mit einer Feierstunde im National Museum of Computing (NMOC) im britischen Bletchley Park wird heute das 70-jährige Jubiläum von Colossus gefeiert, dem wohl ersten speicherprogrammierbaren elektronischen Computer der Welt. Der Name Colossus kam nicht von ungefähr. Der Rechner bestand aus 2500 Elektronen-Röhren, die einen Stromverbrauch von 8kW hatten und einen kompletten Raum in der Größe von 3,5 mal 5 Metern füllten. Die Röhren waren mit Kabeln in einer Länge von 7 km miteinander verbunden.

Colossus war das geistige Kind des britischen Post-Ingenieurs Tommy Flowers und er hatte nur eine einzige Aufgabe: Deutsche Geheimbotschaften zu entschlüsseln.

Seit 1940 hatten die Briten Fernschreibernachrichten der deutschen Wehrmacht abgefangen, die mit der sogenannten Lorenz-Maschine verschlüsselt waren. Durch den Fehler eines deutschen Nachrichtensoldaten, der eine Mitteilung zweimal hintereinander mit der gleichen Verschlüsselung, aber leicht verschoben übermittelte, gelang es dem britischen Kryptoanalytiker Colonel John Tiltman, den Code zu knacken.

Es stellte sich heraus, dass der entscheidende Aspekt für die Entschlüsselung der Nachrichten die Anfangsstellung der Stiftwalzen in der Lorenzmaschine waren. Diese herauszufinden, war äußerst Zeitaufwändig. Um den Prozess zu beschleunigen, wurden in Bletchley Park zunächst elektromechanische Rechenmaschinen eingesetzt.

Als der Ingenieuer Tommy Flowers damit beauftragt wurde, diese Robinson-Maschinen zu verbessern, entschloss er sich stattdessen zu einer Neuentwicklung auf Basis von Elektronen-Röhren: Colossus war geboren. Am 5. Februar 1944 wurde der erste elektronische Computer in Betrieb genommen. Colossus brauchte statt Tagen oder Wochen nur noch vier Stunden, um die Ausgangsstellung der Walzen zu ermitteln, was den gesamten Entschlüsselungsprozess massiv beschleunigte. Mit seiner Hilfe – und neun weiteren Colossi – gelang es den Briten bis Kriegsende, deutsche Nachrichten mit insgesamt 63 Millionen Buchstaben zu dechiffrieren.

Den ersten speicherprogrammierbaren Computer überhaupt, allerdings auf elektromechanischer Basis, hatte bereits 1941 der Deutsche Konrad Zuse konstruiert:

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Colossus wurde rund 30 Jahre lang geheim gehalten. Die gebauten Maschinen wurden demontiert, ein Großteil der Baupläne und Aufzeichnungen vernichtet. 1994 initiierte der Mitbegründer des National Museum of Computing, Tony Sale, den funktionsfähigen Nachbau eines Colossus. Mit Hilfe einiger weniger erhalten gebliebener Fotos und Schaltpläne gelang es bis 2007, dieses Ziel zu erreichen. Verwendet wurden dazu zu einem erheblichen Teil ausgemusterte Telekommunkationskomponenten, die die British Telecom gespendet hatte. Ein ausführliches Video des NMOC zeigt die Enthüllungszeremonie des Rechners:

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