Elektromobilität

In zwei Stunden von New York nach Peking – mit der Magnetschwebebahn

27.03.12 | Redakteur: Thomas Kuther

In solchen luftleeren Röhren könnten autogroße Kapseln in zwei Stunden von New York nach Peking reisen
In solchen luftleeren Röhren könnten autogroße Kapseln in zwei Stunden von New York nach Peking reisen (Bild: Bild: ET3)

„In zehn Minuten vom Hauptbahnhof München zum Flughafen …“, davon träumte der ehemalige Bayerische Ministerpräsident und Transrapid-Befürworter Edmund Stoiber. Die Macher des ET3-Konsortiums haben weit Größeres vor: Mit ihrer Magnetschwebebahn wollen sie Passagiere in nur zwei Stunden von New York nach Peking befördern.

In luftleeren Transportröhren könnten Kapseln von der Größe eines Pkws die Strecke von New York nach Peking in zwei Stunden zurücklegen. Die Planer des Systems halten es für leise, preisgünstiger als Flug-, Bahn- oder Autoreisen und zudem sogar schneller als mit Düsenjets.

Die Idee des ETT (Evacuated Tube Transport) genannten Transportkonzepts basiert auf dem US-Patent 5950543 des ET3-Konsortiums, einer Lizenzierungsorganisation, unter deren Leitung das Projekt gemeinsam mit anderen Partnern entstehen soll.

In Vakuumröhren schwebende Kapseln

Man nehme einfach eine Magnetschwebebahn mit Supraleitern, setze sie in eine luftleeren Röhre und beschleunige sie mithilfe ihrer Linearmotoren auf die gewünschte Geschwindigkeit – fertig ist das ETT-Transportsystem. Da die Linearmotoren in der evakuierten Röhre integriert sind, werden an Bord der Transportkapseln keinerlei beweglichen oder elektrisch angetriebenen Komponenten benötigt. Passive Supraleiter sorgen dafür, dass die Kapsel in der Röhre schwebt, während Wirbelströme in den Leitern für den Vortrieb der Kapsel sorgen. Der Wirkungsgrad eines solchen Transportmittels wäre sehr hoch, da sich die zum Beschleunigen der Kapsel notwendige Energie beim Abbremsen größtenteils zurückgewinnen ließe.

Die Kapseln kommen durch Luftschleusen in die ETT-Röhren

Am realistischsten wäre laut ET3 ein System mit automobilgroßen Transportkapseln in Vakuumröhren mit einem Durchmesser von etwa 1,5 m. Diese Maglev-Röhren werden permanent nahezu luftleer gehalten und die Kapseln über Luftschleusen in die Vakuumröhre ein- und ausgeschleust.

Nachdem die Kapseln auf eine Geschwindigkeit von rund 6500 km/h beschleunigt wurden, gleiten sie die restliche Strecke antriebslos durch die Transportröhre. Da in der Vakuumröhre kein Luftwiderstand vorhanden ist und die durch minimale Schwingungen der Kapsel verursachten Verluste nur sehr gering sind, ist eine Energie von nur 244 kWh notwendig, um eine 550-kg-Kapsel auf eine Geschwindigkeit von 6500 km/h zu beschleunigen.

Linearmotoren beschleunigen in drei Minuten auf 6500 km/h

Die Geschwindigkeit der ETT-Kapsel hängt von der Streckenlänge ab, da die Beschleunigung natürlich Zeit kostet. Legt man eine Beschleunigung von 1 g zugrunde, dauert es 184 Sekunden, also gut drei Minuten, um die gewünschten 6500 km/h zu erreichen. In dieser Zeit legt die Kapsel 161 km zurück. Die ET3 geht davon aus, dass bei kürzeren Reisen eine Geschwindigkeit von etwa 600 km/h angemessen wäre. Die Vakuumröhren ließen sich so verbinden, dass die Kapseln innerhalb des Streckennetzes automatisch zu ihrem gewünschten Ziel gesteuert würden. Für Regional- und Fernverkehr wären unterschiedliche Maglev-Röhren erforderlich, um unnötige Verzögerungen zu vermeiden.

Zur Umsetzung muss ET3 noch viele Lizenzen verkaufen

Mitglieder des ET3-Konsortiums arbeiten mit chinesischen Partnern zusammen, die bereits mehr als ein Dutzend Lizenzen erworben haben. Da es sich um ein offenes Konsortium handelt, erwirbt jeder Lizenzinhaber automatisch auch einen entsprechenden Anteil am Unternehmen. Insgesamt will ET3 bereits mehr als 60 Lizenzen in fünf verschiedenen Ländern verkauft haben, wobei es zahlreiche weitere Interessenten gebe. Allerdings werden bei dem über die ET3-Website angebotenen Preis von 100 US-$ pro Anteil noch eine ganze Reihe zusätzlicher Lizenznehmer erforderlich sein, um den Traum vom schnellen Reisen in Vakuumröhren zu verwirklichen.

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Aha, also Kapseln in Automobilgröße, heißt wohl soviel wie 4 Personen pro Kapsel. Also wenn man es...  lesen
posted am 09.11.2015 um 15:59 von Unregistriert

Hahaha, ist schon wieder 1. April? Von New York nach Beijing sind es Luftlinie knapp 11.000 km....  lesen
posted am 09.11.2015 um 11:54 von Unregistriert

Ganz genau das ist die Technologie der Zukunft. Die Frage ist doch ganz einfach. Ein Tag...  lesen
posted am 08.11.2015 um 22:48 von Unregistriert

Swissmetro??  lesen
posted am 05.04.2012 um 17:37 von Unregistriert


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