Toucheingabe in der Industrie

„Der weit verbreitete resistive Touch wird durch PCAP abgelöst“

07.02.17 | Redakteur: Hendrik Härter

Markus Hell ist bei Data Modul verantwortlich für das Produktmarketing und arbeitet seit 2011 im Unternehmen. „PCAP bietet verschiedene Vorteile auch in Bezug auf die EMV.“
Markus Hell ist bei Data Modul verantwortlich für das Produktmarketing und arbeitet seit 2011 im Unternehmen. „PCAP bietet verschiedene Vorteile auch in Bezug auf die EMV.“ (Bild: Data Modul)

Data Modul als ein großer europäischer Display-Distributor hat sich an seinem Standort in Weikersheim auf die Veredlung von Displays spezialisiert. Wir sprachen mit Markus Hell von Data Modul über PCAP-Touch und aktuelle Entwicklungen auf dem Markt der Eingabesysteme, abschließend werfen wir auch einen Blick in die Zukunft des Touches.

Die PCAP- (Projected-Capacitive-)Technik bietet für Industrie und Medizin spannende Vorteile: Dazu gehört die intuitive Bedienung mit einem oder mehreren Fingern und das durch eine Glasscheibe hindurch. Etablierte Eingabemethoden wie resistiver Touch werden somit verdrängt.

Warum sehen Sie die PCAP-Touch-Technik als die dominante Eingabemethode bei einem Display?

Allen voran ist die PCAP-Technik im Alltag durch den Gebrauch von Smartphones und Tablets weit verbreitet. Das intuitive Bedienen mit einem oder mehreren Fingern (Multitouch) – durch eine geschlossene Glasoberfläche hindurch – ist mittlerweile üblich und im Grunde auch die Regel geworden. Besonders die Industrie hat diesen Trend erkannt. Mehr und mehr wird der weit verbreitete resistive Touch von PCAP-Lösungen abgelöst. Neben der Bedienung durch Glas hindurch und den daraus resultierenden Designmöglichkeiten, wie schmale Ränder, bietet die Projected-Capacitive-Technik Vorteile in verbesserter Optik, Lebensdauer, Mehrfingerbedienung, sowie Handschuh- und Wasserbedienung. Über stetig verbesserte EMV-Stabilität wurde – auf dem Weg zur Dominanz der PCAP-Sensorik – auch eine letzte Hürde genommen.

Im Werk Weikersheim von Data Modul werden Displays gefertigt und auch gebondet. Warum haben Sie sich für diesen Standort in Deutschland entschieden und was versprechen Sie sich für Vorteile?

Displayfertigung ist hier nicht der korrekte Begriff. Data Modul als Europas größter Distributor aller namhaften, industriellen TFT-Hersteller hat sich auf die Veredelung von Displays generell spezialisiert. Dazu gehört neben der Montage von Touches, vorzugsweise resistiv oder PCAP, unsere Spezialdisziplin das Optical Bonding am Produktionsstandort Weikersheim. Ziel ist, kundenspezifische Frontgläser mit PCAP-Sensoren und TFTs vollflächig zu verkleben.

Der seit 60 Jahren bewährte Standort Weikersheim stand auch nach der Übernahme von Conrac durch Data Modul nie zur Disposition. Durch die Fokussierung auf die eigenentwickelten PCAP-Linien „easyTOUCH“ und „easyTOUCH DISPLAY“, wurde der Standort neu strukturiert und die Kernkompetenz Touch in Verbindung mit Optical Bonding fortlaufend ausgebaut.

Eine für Data Modul wichtige Entwicklung ist PCAP mit Force/3-D-Touch. Können Sie bitte das Verfahren kurz erläutern und die Vorteile herausstellen!

Die PCAP-Technik hat sich durch eine konsequente Weiterentwicklung als die Touchtechnik etabliert. Angelehnt an den Consumermarkt galt es, neue Entwicklungen zu finden, welche die Funktionsweise verbessern oder erweitern. Neben Haptic Touch (spürbares Feedback) und Hovering (berührungsloses Bedienen) sehen wir Force/3-D-Touch als die Technik mit dem größten Potenzial, um den industriellen PCAP-Markt zu beeinflussen.

Dabei war es den Entwicklern wichtig, den bestehenden Aufbau aus Coverglas, Touch und TFT nicht maßgeblich zu verändern. Mit Hilfe kapazitiver Drucksensoren in den Ecken des PCAP-Systems und einer zusätzlichen Auswerte-Elektronik können neben den kapazitiven Koordinaten auch die Veränderungen in der Z-Achse durch zusätzlichen Druck gemessen werden. Dadurch lassen sich beispielsweise Menüpunkte (angelehnt an den Rechtsklick) erweitern. Viel mehr könnte aber damit ein redundantes System geschaffen werden, das – besonders mit einem Hauptaugenmerk auf Medizin-Applikationen – neue und sicherheitsrelevante Ansätze ermöglicht.

Was für Neuheiten an Displays und den entsprechenden Treibern werden Sie in diesem Jahr auf der embedded world vorstellen?

Wir als Distributor werden auf der diesjährigen embedded world vermehrt Industrie-Displays unterschiedlicher Hersteller mit Full-HD-Auflösung in den Diagonalen von 13,3 bis 75 Zoll präsentieren. Auf Basis dieser Displaykomponenten entwickelt, veredelt und produzieren wir eigene Anzeigelösungen. Vor allem die Full-HD-Lösungen der neu gegründeten „easyTOUCH-Display-Familie“, bestehend aus Display, Touch und Coverglas sind besondere Highlights. Darüber hinaus werden auch Full-HD-Monitore und Panel-PCs zu sehen sein, die bereits in Applikationen der Medizintechnik und der Automatisierungsbranche eingesetzt werden. Ein besonderer Blickfang ist unser Full-HD-Monitor mit 18,5 Zoll, der dünnste je von Data Modul entwickelte Monitor. Informationen zu allen kundenspezifischen und Standard-Lösungen gibt es von unseren Spezialisten vor Ort. An aktuellsten Exponaten präsentieren wir:

- Industrie-Displays mit Full-HD-Auflösung in 13,3'' (AUO) und 18,5'' (Sharp),

- 15,6''-Full-HD und 21,5''-Full-HD-easyTouchdisplay mit PCAP von Data Modul,

- 15,6''-Full-HD-OpenFrame-Panel-PC mit PCAP,

- Ultra dünner 18,5''-Full-HD-Monitor mit PCAP,

- 21,5'' Full-HD-Open Frame mit PCAP,

- 23,6'' Full-HD-Monitor mit PCAP,

- Memory-in-Pixel- (MIP-)Displays von 1,28 bis 31,6'' sowie

- Sonnenlichttaugliche Displays auch für mobile Applikationen im Industriemarkt und hier nicht ausschließlich Backlight, sondern auch andere Technik-basierende Verbesserungen (Ortustech).

Werfen Sie einen Blick in die nahe Zukunft: Welche Entwicklungen sehen Sie bei den Touch-Eingabesystemen?

Touch-Eingabesysteme werden in Zukunft vermehrt durch PCAP beherrscht. Dabei gilt es die letzten Schwachstellen wie Fehlauslösungen durch erhöhte Störungen oder leitende Flüssigkeiten auszublenden bzw. das System trotz eventueller Einflüsse weiterhin bedienbar zu halten. Weiterhin könnten mit Blick auf die Unterhaltungsindustrie mehr und mehr sogenannte Curved (gebogene) Toucheinheiten zum Einsatz kommen. Letzteres sehen wir 3-D/Force-Touch-Technik speziell auf Grund der redundanten Bedienbarkeit als logische Erweiterung. Vermutlich wird es aber eine Kombination aus mehreren Features wie 3D, Haptik oder/und Hovering geben.

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