Dossiers
Mediathek
Forum
Whitepaper

Paul Scherrer Institut

Halbleiter aus Kunststoff besser verstehen

 

29.07.2010 | Redakteur: Holger Heller

 

Halbleiter aus Polymermaterialien dürften in Zukunft immer mehr Bedeutung für die Elektronikindustrie bekommen – etwa als Grundlage von Transistoren, Solarzellen oder Leuchtdioden. Sie haben wesentliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Materialien.


Halbleiter aus Kunststoff besser verstehen
PSI-Forscher Benjamin Watts: Untersuchungen zum Aufbau leitfähiger Polymere
Polymer-Halbleiter sind leicht, flexibel und können kostengünstig produziert werden. Meist bestehen sie nicht aus einer einzelnen Substanz, weil sich ihre besonderen elektrischen Eigenschaften oft erst dann ergeben, wenn man mehrere verschiedene Polymere miteinander mischt. Um dabei das optimale Material zu finden, muss man wissen, wie sich die einzelnen Polymere verbinden (und ob sie es tun) und wie die einzelnen Komponenten zu den Eigenschaften des Gesamtmaterials beitragen.
Nun haben Forscher des schweizerischen Paul Scherrer Instituts (PSI) und der englischen Universität Cambridge ein Verfahren entwickelt, mit dem sie den detaillierten Aufbau des Materials sowohl im Inneren als auch an der Oberfläche bestimmen können. Die Untersuchungen wurden an der Synchrotron Lichtquelle Schweiz SLS des Paul Scherrer Instituts durchgeführt.

Höherer Wirkungsgrad durch Kunststoffgemisch

Halbleiter aus konjugierten Polymermaterialien, also speziellen Kunststoffen, die elektrischen Strom leiten können, sollen die Welt der Elektronik erobern. Elektronische Bauteile aus diesen Materialien werden in der Regel nicht aus einem einzelnen Kunststoff bestehen, sondern aus einer Mischung. „Oftmals kann man in einem Gemisch von Polymeren Materialeigenschaften erreichen, die in einem einzelnen Polymer nicht möglich sind“, erklärte Benjamin Watts, Forscher am PSI, „so ist die Effizienz von Solarzellen oder Leuchtdioden, die aus Gemischen bestehen, deutlich höher als von solchen aus Einzelmaterialien.
Elektronische Bauteile aus Polymergemischen herzustellen, ist ausgesprochen schwierig. Zum einen wisse man nicht, wie die Materialien funktionieren, zum anderen sei es schwierig die Strukturen zu sehen, die sich in einem Polymergemisch bilden, weil die Bestandteile alle sehr ähnlich aussähen, heißt es seitens beider Forschungsinstitute.

Von Handy-Displays bis Solarzellen

Die Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sie in einem Polymergemisch die einzelnen Substanzen unterscheiden können, und zwar sowohl im Inneren als auch an der Oberfläche. „Das ist sehr wichtig für elektronische Bauteile auf Grundlage von Polymerhalbleitern, weil die eigentliche „Arbeit“ im Inneren des Bauteils getan wird, das Bauteil aber über die Oberfläche mit anderen Bauteilen und damit dem Rest der Welt verbunden ist“, erklärten die Forscher.
Nach der praktischen Bedeutung seiner Arbeit für den Einzelnen gefragt, sagt Watts: „Schon heute verwendet man elektronische Bauteile aus Kunststoff, zum Beispiel Handy-Displays. Unser Verfahren könnte helfen, diese Bauteile effizienter zu machen – sie wären also heller und würden weniger Strom verbrauchen.“ Die Arbeit der Forscher könnte auch dazu beitragen, dass etwa organische Solarzellen Marktreife erreichen. Und allgemein könne das Verfahren allen nützen, die sich mit Kunststoffen befassen, so Watts.
Social Networks:
Themenverwandte Beiträge
Halbleiterfertigung: Röntgenmikroskop mit Superauflösung entdeckt Fehler im Nanobereich
22.07.2008 - Ein neuartiges Röntgenmikroskop mit Superauflösung kombiniert die hohe Durchdringungsleistung von Röntgenstrahlen mit einer hohen bildlichen Auflösung und ermöglicht erstmals einen Blick auf die detaillierten inneren Strukturen von Halbleiterbauelementen. weiter
TU Berlin und Fraunhofer IZM: Deutschlands erstes Fachgebiet für Polytronische Mikrosysteme im Bereich Elektotechnik
TU Berlin und Fraunhofer IZM: Deutschlands erstes Fachgebiet für Polytronische Mikrosysteme im Bereich Elektotechnik
18.08.2008 - Seit einigen Jahren forscht die Wissenschaft intensiv an der Vision vom „intelligenten Plastik“. Versucht wird, elektronische Systemfunktionen auf Kunststoffbasis zusammenzuführen. Die „Polytronik“ bekräftigt den Anspruch einer vorwiegend polymeren Elektronik. Die TU Berlin und das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) konnten jetzt den weltweit renommierten Experten für polytronische Systeme, Prof. Dr.-Ing. Karlheinz Bock, gemeinsam gewinnen. weiter
Swiss Nanoscience Institute: Neues Verfahren ermöglicht Steuerung von elektronischen Materialeigenschaften
Swiss Nanoscience Institute: Neues Verfahren ermöglicht Steuerung von elektronischen Materialeigenschaften
22.07.2009 - Forschenden am Swiss Nanoscience Institute ist es erstmals gelungen, dünne Schichten mit steuerbaren elektronischen Eigenschaften herzustellen. Diese Entdeckung könnte für zukünftige Anwendungen in der Sensorik und der Computertechnologie von grosser Bedeutung sein. weiter
Kommentare zu diesem Artikel
Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)
Spamschutz 

Bitte geben Sie das Resultat dieser Rechenaufgabe (Addition) ein:


Artikel Bewertung

Links und Downloads zu diesem Beitrag
Firma zum Artikel
Firmen in diesem Themenumfeld
Europas breitestes Spektrum an Wegsensoren   Entwicklung, Fertigung und Vertrieb von Sensoren, Systeme, Software und Lösungen für die Messgrößen ...

CONTRINEX GmbH

Nettetal, Deutschland

Die Welt der Sensoren ist die Welt von Contrinex! Contrinex-Näherungsschalter sind mühelos in der Lage, den stetig steigenden Anforderungen ...



Whitepaper und Webcasts zum Thema
Whitepaper
Wandler für positive Eingangs- zu negativer Ausgangsspannung
Inverter wandeln positive Gleichspannungen in negative. Die Design-Note „Positive Input to Negative Output Conversion Using a Buck Converter“ stellt zwei Schaltungen mit hohem Wirkungsgrad vor.
Whitepaper
Dynamisches Laden von Rezepturen mit OPC
Eine einfache offene Architektur auf der Grundlage von OPC und ODBC ist ein guter Ausgangspunkt für ein dynamisches Rezeptur-Management.
Whitepaper
Bilder und Sensoren
High Dynamic Range Imaging: Das vorliegende Whitepaper erklärt die Hintergründe der HDR-Technologie sowie die Funktionsweise von HDR-Bildsensoren.
Whitepaper
Verfahrenstechnik Dosier- und Vergusstechnologie
Vergießen und Auftragen von Silikonen, Epoxydharzen oder Polyurethanen sind die ökonomische und prozesssichere Antwort zum Thema Verbinden, Schützen oder Isolieren elektronischer Bauteile.