Fertigungsverlagerung

Worauf es bei der Auswahl eines EMS-Anbieters ankommt

10.06.2006 | Redakteur: Claudia Mallok

Das Verlagern oder Auslagern einer Fertigung kann umfangreiche Konsequenzen haben. Deshalb ist es wichtig, das Für und Wider gegeneinander abzuwägen. Und wer seine Ferting an einen EMS-Anbieter (EMS: Electronic Manufacturing Service) verlagern will, sollte unbedingt diese Kriterien in die Entscheidungsfindung einbeziehen.

Outsourcing (Outside ressource using) wird zunehmend als modernes Managementinstrument genutzt. In der Elektronikfertigung werden zur Unterscheidung des Dienstleistungsumfangs zwischen reiner Auftragsfertigung und umfangreichem Service die Begriffe Contract Electronic Manufacturing (CEM) und Electronic Manufacturing Service (EMS) verwendet.

Die gegenwärtig größte volkswirtschaftliche Bedeutung hat die Abgabe (Outsourcing) vom Auftraggeber und die Übernahme (Insourcing) kompletter oder teilweiser Fertigungen beim Dienstleister. Typisch ist z.B. die Verlagerung der Elektronikfertigung eines Maschinenherstellers an einen Elektronikdienstleister.

Der Trend in der Auftragsfertigung geht deutlich in Richtung Komplettfertigung, was im Wesentlichen die zusätzliche Materialbeschaffung durch den Dienstleister bedeutet. Wenn der Dienstleister neben der Fertigung auch für Entwicklung, Prüfung, Montage, Service usw. verantwortlich ist, kann bei ihm das komplette Gerät oder System entwickelt und hergestellt werden.

Wichtig für die Auswahl des richtigen Lieferanten oder Partners bei einer Fertigungsverlagerung sind:

eine wirtschaftlich stabile Situation, die keinen Zweifel am Weiterbestehen des Dienstleisters zulässt, sowie eine gewisse Mindestgröße des Unternehmens;

  • eine ausreichende Fertigungskapazität, die sich bei Bedarf auch erweitern lässt;
  • die Beherrschung der notwendigen Technologien und der relevanten Fertigungsprozesse, verbunden mit dem erforderlichen Leistungsspektrum;
  • die Bereitstellung entsprechender Überleitungskapazitäten, die besonders bei kompletten Fertigungsübernahmen mit zahlreichen Produkten eine große Rolle spielen;
  • die Bereitstellung von Entwicklungs- und Prüfkapazität, die für die Übernahme und Weiterentwicklung von Produkten notwendig sein kann. Wichtig ist auch die Kompetenz bezüglich des Austauschs von schwer beschaffbaren oder abgekündigten Bauelementen;
  • die Möglichkeit der Materialübernahme und die lückenlose Weiterversorgung mit eigenbeschafftem Material;
  • die Struktur von Einkauf und Logistik, die einer engen Abstimmung mit dem Kundenbedarf;
  • die Qualitätslage des Dienstleisters, die eine gesonderte Bewertung erfordert. Notwendige Zertifizierungen und Zulassungen müssen vorhanden sein;
  • die Transparenz der Kostenstruktur, da der Auftraggeber unter Umständen seine Einkaufs- und Kostenkompetenz verliert;
  • die objektive Abschätzung aller Risiken, die bei der Überleitung selbst und in der Vertragsphase entstehen können;
  • die Firmenkultur, der Standort, die Sprache oder allgemein die Kommunikationsmöglichkeiten und die daraus resultierenden Reaktionszeiten. Hier sind besonders die Kriterien Produktmix und Produktvolumen zu berücksichtigen;
  • die Flexibilität des Dienstleisters und der allgemeine Service, insbesondere auch die weitere Produktpflege (After Sales Service).

Vor- und Nachteile der Fertigungsverlagerung

Die Entscheidungsfindung hängt von strategischen, wirtschaftlichen und technischen Faktoren ab
Die Entscheidungsfindung hängt von strategischen, wirtschaftlichen und technischen Faktoren ab

Das Verlagern oder Auslagern einer Fertigung kann umfangreiche Konsequenzen haben. Deshalb ist es wichtig, das Für und Wider gegeneinander abzuwägen. Die klassischen und allgemein bekannten Vorteile des Outsourcing lassen sich in drei Kategorien – strategische, wirtschaftliche und technische – einteilen wobei die einzelnen Gründe durchaus mehrere Kategorien betreffen können.

Konsequenzen und Risiken der Fertigungsverlagerung

  • Der unmittelbare Zugriff auf die Fertigung kann erheblich eingeschränkt werden. Hierbei spielen die Struktur und die Entfernung des Dienstleisters eine große Rolle. Die Abhängigkeit kann je nach Verlagerungsumfang sehr hoch werden. Fehlende Dokumentationen müssen erstellt, mangelhafte Prüfgeräte und Werkzeuge verbessert sowie rückständige Fertigungsprozesse modernisiert werden.
  • Die Fertigungsverlagerung ins Ausland bedarf besonderer Betrachtung. Im Allgemeinen geht sie mit einem großen Verlust an Flexibilität einher.
  • Durch die Fertigungsverlagerung verliert der Auftraggeber einen von der Verlagerungstiefe abhängigen Kompetenzteil seines ursprünglichen Geschäfts.

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