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Entscheidungskriterien bei der Beschaffung von Baugruppen

Baugruppeneinkauf muss produktpreisorientiert und gesamtkostenorientiert sein

 

21.03.2006 | Autor: Hubertus Andreae*

 

Um das Potenzial der Fremdfertigung auszuschöpfen und Risiken zu vermeiden, müssen die Produkte sinnvoll in die gegenseitigen Unternehmensprozesse und Logistik von Auftraggeber und Dienstleister eingebunden sein. Hierfür besteht bei der Auswahl eines EMS-Providers neben dem Transfer der Stücklisten, Verfahrensanweisungen und Prüfvorschriften die Notwendigkeit, dessen interne Prozesse, Schnittstellen und Leistungsmerkmale zu bewerten.


Baugruppeneinkauf muss produktpreisorientiert und gesamtkostenorientiert sein
Mehr und mehr Unternehmen lösen sich von der eigenen Baugruppenproduktion. Allerdings aus unterschiedlichen Gründen: Kostendruck, Kapazitätsengpässe, stark schwankende Bedarfe, Risikoverlagerung, Bilanzoptimierung, Investitionsumlenkung, Technologiewechsel. Der Baugruppen- oder Produkteinkauf setzt ein umfassendes Prozesswissen sowie eine weitaus engere Zusammenarbeit zwischen den Parteien voraus als der Einkauf von Standardbauelementen. Die Auswahl eines EMS-Providers (Electronic Manufacturing Services) erfordert, wenn man alle Potenziale nutzen und Risiken vermeiden will, umfassende Vorbereitungen und Prozessanpassungen.
Zusätzlich zu den Stücklisten, Verfahrensanweisungen und Prüfvorschriften ist es notwendig über die internen Prozesse, Schnittstellen und die Leistungsmerkmale beim Dienstleister nachzudenken. Da bisherige Prozesse meist angepasst werden müssen, kommt es darauf an, auch aus Sicht der Schnittstellenmöglichkeiten den geeigneten Partner zu finden.

Der Abgabepreis allein reicht nicht

Trotz dieser Notwendigkeit wird die Auswahl oft nur am Abgabepreis und nicht an der Prozessfähigkeit festgemacht. Der Bedeutung des EMS wird das nicht gerecht und Probleme in den Geschäftsprozessen sind somit vorprogrammiert. Es muss klar sein, dass die falsche Wahl eines Dienstleisters das Geschäft erheblich beeinträchtigen kann: Lieferrückstände, Kundenverlust, Konventionalstrafen etc. sind die Folgen.

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 + Bei der Fertigungsverlagerung die Gesamtkosten betrachten

Bei der Auswahl eines Fertigungspartners gilt es strukturiert vorzugehen: Nur wenige OEM (Original Equipment Manufacturer) analysieren mehr als die technischen Voraussetzungen und machen sich Gedanken über ihre eigenen Prozesse. Nur die Gebäude und Maschinen zu besichtigen ist nicht genug.
Strukturierte Prozess- und IT-Verknüpfung: Supply-Chain-Management-Konzept des EMS-Anbieters TQ-Systems vom Lieferanten des Lieferanten bis zum Kunden das Kunden Technisch sind die EMS in der Regel hochqualifiziert. Nur die Maschinen und Gebäude sind letztendlich nicht entscheidend für den Erfolg dieser neuen Geschäftsbeziehung. Entscheidend sind die Prozesse zwischen und in den Unternehmen. Genau dort muss das Hauptaugenmerk der Vorarbeit und der Entscheidungen liegen.
Sieht man sich Statistiken an, aus welchem Grund, OEMs Produkte von einem EMS zu einem anderen verlagern, so sind technische Belange selten die Ursache. Viel mehr sind es:
  • abwandernde Preise,

  • Terminuntreue,

  • Kultur- und Kommunikationsprobleme,

  • zu lange Reaktionszeiten,

  • fehlende Flexibilität.

Hier wurden oft Fehler im Vorfeld gemacht. Aus diesen Fehlern sollten alle Beteiligten lernen, denn jede Verlagerung kostet Zeit und Ressourcen. Wenn man die Verlagerungskosten auf die Baugruppen umlegen würde, erkennt man, dass ein kleiner Preisunterschied nach einer weiteren Verlagerung nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Ganz abgesehen davon, dass durch dieses Vorgehen eine Wiederholung der Fehler nicht auszuschließen ist.
Dennoch haben fast alle Unternehmen, die eine Verlagerung vornehmen, eines gemeinsam. Sie sind in ihren spezifischen Fachbereichen nicht ausreichend auf diese Aufgabe mit einer externen Fertigung vorbereitet. Die Folgen sind, ein reduziertes Leistungsprofil und Nichterfüllung der erwarteten Ergebnisse. Auf Grund der gegenseitigen Abhängigkeiten ziehen sich in Extremfällen die beiden Parteien in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

Das Problem beginnt oft beim Auftragseingang

Der Prozess des Auftragseingangs ist in den meisten Fällen der erste schwerwiegende Problemfall. Den längerfristigen Bedarfen und Bedarfsschwankungen wird zu wenig Rechnung getragen und Marktgegebenheiten werden nicht ausreichend abgebildet. Die gesamte Prozesskette dahinter wird somit unzureichend ausgerichtet.
Informations- und Prozessmanagement: Informationsmanagement vom OEM über den Produzenten inkl. der Fachbereiche und Lieferanten Ein guter Abgabepreis und leistungsstarke Lieferperformance bedingt das Schnüren eines Paketes. Eine Lösung kann ein längerfristiger Rahmenauftrag sein. Hierfür gilt es allerdings auch die Rahmenbedingungen dazu festzulegen. Folgende Punkte sind u.a. zu vereinbaren:
  • Jahresbedarf,

  • Losgrößen,

  • Lieferfrequenzen,

  • Verschiebungs- und Stornierungsbedingungen,

  • Materialabnahmebedingungen,

  • Rahmenauslaufbedingungen,

  • Ausplanungsreichweiten,

  • Umgang mit langen Materiallieferzeiten,

  • diverse zusätzliche gegenseitige Verpflichtungen,

  • Bestellzyklen,

  • Bestellverfahren.

Wenn diese Bedingungen und gegenseitigen Verpflichtungen festgelegt wurden, müssen sie wiederum in der EDV abgebildet werden. Weiterhin sind nach Möglichkeit die Lieferanten mit ihrem spezifischen Leistungsprofil eng einzubinden.
Mit prozesstechnischen Abstimmungen die Gemeinkosten reduzieren
Da das Material mit 65 bis 75% Anteil den größten Kostenfaktor einer Baugruppe darstellt, hat der Materialgemeinkostensatz (MGK) den größten Hebel am Abgabepreis einer Baugruppe Einkäufer meinen oft, sie hätten gute Arbeit geleistet, in dem sie keine Absprachen vorgenommen haben oder keine Verpflichtungen eingegangen sind. In Wirklichkeit haben sie sich einen Bärendienst geleistet. Denn wer diese prozesstechnischen Abstimmungen umsetzt, wird schnell feststellen, wie stark sich ein Abgabepreis verbessern lässt. Es geht soweit, dass sich mit der Einbindung optimierter logistischer und EDV-technischer Rahmenbedingungen die deutschen Lohnkostennachteile in der Fertigung gegenüber Osteuropa durch reduzierte Gemeinkosten neutralisieren lassen.
Es gibt also Lösungen auch hier in Deutschland produzieren zu lassen und dennoch wettbewerbsfähig zu sein. Hierfür ist es natürlich erforderlich für jede Baugruppe einen Ablauf festzulegen. Wer meint, das sei zu viel Arbeit, irrt. Die Umsetzung von täglichen Ersatzprozessen, wo wieder mal „das Eisen aus dem Feuer geholt werden muss“, ist um einiges komplexer und zudem auch noch unkalkulierbar und teuer.
Produkte, die dagegen in die gegenseitigen Unternehmensprozesse und Logistik sinnvoll eingebunden sind, werden zu den begehrten gehören. D.h. zu den Produkten, die gegenseitig erfreuliche Erträge abwerfen, betreuungsreduziert und termintreu sind. Genau das was sich alle wünschen und was die heutige Marktsituation mehr den je verlangt.
Und warum tun wir es nicht? Die Einkäufer werden oft nur produktpreisorientiert ausgerichtet und nicht gesamtkostenorientiert. Zudem haben sie oft keine umfassenden Prozesskenntnisse, da diese beim Einkauf von Standardbauelementen nicht erforderlich waren und sind mit der Outsourcing-Entscheidung selber überrannt worden.
*Hubertus Andreae optimiert Prozesse in Materialwirtschaft, Vertrieb und Controlling.
Redakteur: Claudia Mallok
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