Diebstahlschutz

Elektronik bringt Autoknacker zum Schwitzen

03.08.11 | Redakteur: Thomas Kuther

Autodiebstahl: Ungefähr alle zwei Minuten ereignet sich ein Diebstahl in oder aus einem Kfz, dazu kommen Unterschlagung, Hehlerei, Raub und Sachbeschädigung (Bild: www.polizei-beratung.de)
Autodiebstahl: Ungefähr alle zwei Minuten ereignet sich ein Diebstahl in oder aus einem Kfz, dazu kommen Unterschlagung, Hehlerei, Raub und Sachbeschädigung (Bild: www.polizei-beratung.de)

Trotz moderner Wegfahrsperren und Lenkradschlösser sind Fahrzeuge nicht vor Langfingern sicher. Einen neuen Ansatz schlägt nun Psychologe Dr. Sven Tuchscheerer vor: Sobald die Elektronik einen Diebstahl erkennt, verdirbt sie z.B. im Sommer dem Dieb die Freude, indem Heizung und Sitzheizung eingeschaltet und die Seitenfenster geschlossen werden.

In seiner Dissertation zum Thema „Human Factors in Automotive Crime and Security“an der TU Chemnitz untersuchte der Psychologe Dr. Sven Tuchscheerer Autodiebstähle und macht Vorschläge für den Schutz von Fahrzeugen und Fahrer. Tuchscheerer empfiehlt auf Grundlage seiner Forschungsergebnisse einen bisher kaum verfolgten Ansatz: die Minderung des Gewinns, der durch Fahrzeugkriminalität erzielt werden kann. „Ein Lahmlegen eines Fahrzeuges nach erkanntem Diebstahl ist in Deutschland aus rechtlichen Gründen nicht zulässig. Es lassen sich aber viele nicht primär fahrrelevante Fahrzeugkomponenten außer Gefecht setzen oder stören“, so Tuchscheerer.

Autodiebe im Schwitzkasten

Beispiel: Bei warmen Außentemperaturen wird die Klimaanlage automatisch deaktiviert und die Heizung eingeschaltet. Die Fenster werden geschlossen und gegen das Öffnen gesperrt. Zusätzlich wird die Sitzheizung auf die höchste Stufe gestellt.

System stellt den Täter kalt

Bei kalten Temperaturen hingegen schaltet sich die Klimaanlage ein, die Heizung wird deaktiviert. Bei einer Geschwindigkeit bis 40 km/h öffnen sich automatisch die Fenster und können manuell nicht wieder geschlossen werden. Das gestohlene Auto verliert so deutlich an Wert.

Spaßbremse statt Wegfahrsperre

„Durch solche Maßnahmen würde die Kosten-Nutzen-Abschätzung seitens der Täter beeinflusst. Das könnte abschreckender wirken als die Erhöhung der Kosten, die zum Beispiel für die Überwindung einer Wegfahrsperre anfallen“, so Tuchscheerer. Härtere Strafen seien hingegen wenig wirksam; Strafmaß und Risiko wurden von allen elf befragten Verurteilten unterschätzt.

Polizei schreckt Täter nicht ab

Auch eine verstärkte Polizeipräsenz nutze voraussichtlich wenig. Zwar wünschen sich Fahrzeugbesitzer diese, Täter jedoch werden dadurch kaum abgeschreckt. Vor allem Profis stellen lediglich ihre Strategien um und kommen auf anderen Wegen zum Erfolg.

Fahrzeugdiebe wollen Reibach machen

„Die Täter wollen vor allem finanziellen Gewinn erzielen. Dazu passen die Befürchtungen der Fahrzeugbesitzer nur bedingt“, berichtet Tuchscheerer. Die Fahrer haben demnach hauptsächlich Angst vor tätlichen Angriffen. Der finanzielle Schaden durch einen Autodiebstahl ist für sie zweitrangig.

Täter scheuen Gewalt

„Interessanterweise vermeiden jedoch Täter eigentlich den Kontakt mit den Fahrzeugbesitzern, weil diese einen unkalkulierbaren Faktor darstellen. Auch möchten sie keine Gewalt anwenden, da sie Angst vor der deutlich härteren Bestrafung in solchen Fällen haben“, erklärt Tuchscheerer.

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Ich bin gespannt, wann diese sinnvollen Ideen verboten werden. Spätestens wenn die Verkaufszahlen...  lesen
posted am 03.08.2011 um 14:23 von Unregistriert


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