Serie CompactPCI Serial, Teil 54

Wieso ist ein PICMG-Standard notwendig?

05.10.2010 | Autor / Redakteur: Manfred Schmitz, MEN Mikro Elektronik / Holger Heller

CompactPCI Serial (PICMG CPCI-S.0) ist ein noch unveröffentlichter Standardentwurf, der innerhalb einer Arbeitsgruppe der PICMG definiert wird

CompactPCI Serial CPCI-S.0 ist eine Spezifikation für robuste modulare Computer und eine Weiterentwicklung der bewährten CompactPCI-Spezifikation PICMG 2.0. Ist heute ein derartiger Standard überhaupt noch notwendig?

Ist die technische Entwicklung nicht so dynamisch, dass ein Standard überholt ist, ehe er verabschiedet ist? Fragen Kunden überhaupt noch nach Standards? Werden Standards in den Arbeitsgruppen nicht zerredet und die technische Lösungen bleiben eher durchschnittlich?

All diese Fragen stellen sich bei der Gründung einer Arbeitsgruppe, die eine neue Spezifikation auf den Weg bringen soll. Durch die Wahl der PICMG als Organisation ergibt sich der Vorteil einer klaren Klärung aller Fragen bezüglich IP-Rechten. Die Statuten der PICMG sorgen dafür, dass nichts genormt wird, das durch Patente geschützt ist. So wird verhindert, dass Firmen ein Recht auf die Forderung von Lizenzgebühren geltend machen, sobald Produkte basierend auf dem Standard am Markt sind. Ein wichtiger Faktor für Kunden.

In der Arbeitsgruppe „CompactPCI Serial“ sind mehr als 30 Firmen zusammengeschlossen. Die spannende Frage war, ob all diese Firmen wirklich ein gemeinsames Ziel verfolgen würden. Die technische Diskussion aller Details der neuen Spezifikation dauerte etwa ein Jahr. Bemerkenswert ist, dass regelmäßig mehr als ein Drittel aller Mitglieder am Standard mitwirkten. Es waren Firmen aus allen Bereichen und vielen Ländern der Welt beteiligt – Board- und System-Hersteller, Steckverbinder- und Halbleiter-Firmen.

Erfahrungen bei anderen Standards gesammelt

Im Lauf der Zeit kamen so immer wieder neue Ideen und Vorschläge hinzu, welche insgesamt zu einer sehr „runden“ Spezifikation geführt haben. Da viele der Firmen auch bei anderen Standards mitwirken (ATCA, VPX etc.), sind von dort viele Erfahrungen eingeflossen – auch von Details, die in diesen Standards eher schlecht gelöst sind, und die man bei CompactPCI Serial besser machen wollte.

Ein paar solcher Highlights sind:

  • Jedes CPU-Board kann auch in jedem Peripherie-Steckplatz genutzt werden (gelernt aus dem VMEbus-Standard).
  • Ethernet basiert auf xBaseT-Standards, um Multiprocessing einfach zu realisieren (bewährt bei PICMG 2.16).
  • Kompatibilität von 3- und 6HE-Baugruppen – aber ohne Einschränkungen (aus Fehlern bei VME und CompactPCI gelernt).
  • Verzicht auf teure Infrastruktur-Baugruppen wie MCHs (aus Fehlern bei MicroTCA gelernt).
  • Split-Backplane-Konzepte, um anwendungsspezifische Verdrahtungen einfach zu ermöglichen (neu).
  • Direkte Verbindung von Front-Board und Rear-Board ganz ohne Backplane erlaubt die Unterstützung von optischen Steckverbindern (neu).
  • Conductive-Cooling als integrierter Bestandteil der Spezifikation (neu), welcher es gestattet, jedes Board in ein Conductive-Cooled-Board zu konvertieren.

Zusammenfassend darf man sagen, dass die Zusammenarbeit der einzelnen Firmen entgegen erster Befürchtungen und Vorbehalte sehr gut funktioniert hat. Der CompactPCI-Serial-Standard ist ein seltenes Beispiel dafür, dass einmal nicht aus einem Produkt einer Firma nachträglich ein Standard gemacht werden sollte. Dies kommt den Produkten zugute.

Die Spezifikation hat als Draft 0.61 die Arbeitsgruppe passiert. Das offizielle Ballot in der PICMG ist bereits angestoßen. CompactPCI Serial, CPCI-S.0, hat das Zeug dazu, CompactPCI auch für die nächste Dekade als wichtigen branchenübergreifenden Standard für modulare, robuste und preiswerte Computer zu etablieren.

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