Debatte

Fünf Gründe, warum die Bargeldabschaffung wahrscheinlich ist

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. Gerald Mann / Franz Graser

Heuer ist Prof. Dr. Gerald H. Mann am 23. Juni zum inzwischen dritten Mal Referent beim EMS-Tag in Würzburg. Sein Thema „Kein Bargeld mehr – keine Freiheit mehr?“
Heuer ist Prof. Dr. Gerald H. Mann am 23. Juni zum inzwischen dritten Mal Referent beim EMS-Tag in Würzburg. Sein Thema „Kein Bargeld mehr – keine Freiheit mehr?“ (Bild: VBM-Archiv)

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Namhafte Ökonomen bringen immer wieder die Abschaffung des Bargelds ins Gespräch. Dieses Szenario ist gar nicht so unwahrscheinlich, wie Prof. Dr. Gerald Mann (FOM München) erläutert.

Erstens: Die unverändert andauernde Finanz- und Staatsschuldenkrise kann immer noch in einen Bank-Run (dt. „Schaltersturm“ oder „Bankensturm“) münden, bei dem viele Menschen das Vertrauen in das Finanzsystem verlieren und ihre Guthaben abheben – im Sommer 2015 haben wir das in Griechenland erlebt.

Ein solches Misstrauensvotum wäre für die Interessengemeinschaft aus (Groß-)Banken, Politik und Europäische Zentralbank (EZB) sehr unerwünscht. Ohne Bargeld kann es einen solchen Bankrun nicht mehr geben. Die einschlägigen Fehlentwicklungen im Geld- und Finanzsystem sowie bei den aus dem Ruder gelaufenen Staatsfinanzen ließen sich noch besser und noch länger verschleiern.

Zweitens: Negativzinsen können – im Gegensatz zu den hohen Guthaben bei Unternehmen – gegenüber privaten Haushalten nur durchgesetzt werden, wenn ihnen die Flucht ins Bargeld verwehrt wird. Die Bargeldgegner unter den Ökonomen wollen zur Konjunkturbelebung Negativzinsen durchdrücken, eine Art „Konsumverweigerungssteuer“ mit der Folge der Umerziehung zum ferngesteuerten „Konsumtrottel“: Wer nicht konsumiert, soll von seinem Sparguthaben jedes Jahr etwas abgezogen bekommen. Also ein Frontalangriff auf das Eigentum und die gute deutsche Sparkultur, die jedoch für langfristiges, investitionsbasiertes Wachstum erforderlich sind.

Und es wäre eben auch eine besonders durchschlagende Version der „Finanziellen Repression“, also der Entreicherung von Sparern. Zudem ließen sich „per Knopfdruck“ Vermögensabgaben schnell und überraschend durchführen, denen man sich nicht mehr durch Bargeldhaltung zumindest teilweise entziehen könnte.

Drittens: Kriminalität, Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und Terrorismus sollen verhindert oder zumindest erschwert werden. Gerade dieses Argument wird viele Anhänger finden, nicht zuletzt nach den Terroranschlägen von Paris im November 2015. Und in Teilen mag das stimmen. So brächte Handtaschendiebstahl dann nur noch Lippenstifte, aber kein Bargeld mehr.

Insgesamt aber entspricht der Verweis auf die mögliche kriminelle Verwendung von Bargeld jedoch der Logik, auch Essbesteck zu verbieten, um so Gewalttaten zu verhindern. Für den Haushalt, der seiner ansonsten regulär beschäftigten Putzhilfe zu Weihnachten eine Anerkennungsprämie in bar zukommen lassen will, wird das ebenfalls unmöglich.

Dass aber die Mafia und Terroristen wegen des fehlenden Bargelds aufgeben, darf wohl bezweifelt werden. Der auf Schatten- und Untergrundwirtschaft spezialisierte Linzer Ökonom Friedrich Schneider rechnet selbst bei einem totalen Bargeldverbot nur mit einem geringen Rückgang der Aktivitäten in seinem Forschungsgegenstand.

Viertens: Finanzinstitutionen, die bargeldlose Zahlungssysteme anbieten, könnten ihre Gewinne steigern, wenn die Zahlungsalternative Bargeld entfällt. Zwar ist bei einer Vollkostenrechnung bargeldloses Zahlen wohl günstiger – doch ist unwahrscheinlich, dass diese Vorteile dann an den Konsumenten weitergegeben werden. Außerdem erhielten die Finanzdienstleister noch mehr Daten über das Verbraucherverhalten, die sie gewinnbringend nutzen können.

So sieht auch der Chef der Münze Österreich, Gerhard Starsich, „hinter der aktuellen Debatte rund um eine mögliche Abschaffung des 500-Euro-Scheins sowie generelle Obergrenzen für Zahlungen mit Bargeld die Interessen der Plastikkartenfirmen. Auch die Banken hätten ein natürliches Interesse daran, dass alle Zahlungen über ihre Konten liefen“ (Die Presse 9.2.16).

Fünftens: Die Arbeit der schon jetzt mächtigen Geheimdienste wird noch leichter: Der „gläserne Zahler“ wird geboren. Keine einzige Transaktion, auch nicht der Kauf eines Buches auf dem Flohmarkt oder einer Zeitschrift am Bahnhof, würde „Big Brother“ entgehen.

Man überlege nur, was die totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts mit diesen Möglichkeiten hätten anfangen können… Diktatur würde billiger und tiefgreifender. Eine Garantie für den Fortbestand der freiheitlich-demokratischen Grundordnung mit ihren Grundrechten gibt es nicht.

Gestapo, Stasi und auch George Orwell, der Autor der düsteren, totalitäre Überwachungsdiktaturen beschreibenden Zukunftsromane „1984“ und „Farm der Tiere“, würden sich verwundert die Augen reiben. Manche mögen hier auch an das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung in Kapitel 13, denken.

Die heutigen Diskussionen um Abhöraktionen der NSA erscheinen geradezu unbedeutend angesichts von „NSA megaplus“, was dann über uns hereinbrechen würde. Viele Zeitgenossen haben mit ihrer „Ich habe doch nichts zu verbergen“-Mentalität die Tragweite nicht annähernd erfasst.

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Dann holt man demnächst das Eis in der Eisdiele per EC-Karte ... wie dumm ist das denn!!!  lesen
posted am 03.03.2016 um 22:26 von Unregistriert

dumm, dümmer, am dümmsten eine Denkweise die in Richtung Wirtschaft zielt und deren Vorteile aber...  lesen
posted am 01.03.2016 um 13:08 von Unregistriert

Die Bargeldabschaffung bzw. das Beschränken des Bargeldumlaufes ist absoluter Unsinn. Weil die...  lesen
posted am 29.02.2016 um 11:30 von Unregistriert

Ich habe jedenfalls meine neue Kreditkarte aus der Brieftasche verbannt, nachdem ich gesehen habe,...  lesen
posted am 29.02.2016 um 10:59 von Olaf Barheine

Wer ist der Staat? Das Volk nach Theorie der Demokratie? Mitnichten! Der Weg in die...  lesen
posted am 27.02.2016 um 13:22 von Unregistriert


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