Motorenfertigung stark betroffen

Ungewisse Zukunft für 250.000 Automotive-Beschäftigte

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Der Wandel in der Automobilindustrie gefährdet laut IG Metall bis zu 250.000 Arbeitsplätze, speziell in der Produktion. Zeitgleich bieten die Zukunftsfelder Elektromobilität und Digitalisierung aber auch erheblichs Einstellungspotenzial.
Der Wandel in der Automobilindustrie gefährdet laut IG Metall bis zu 250.000 Arbeitsplätze, speziell in der Produktion. Zeitgleich bieten die Zukunftsfelder Elektromobilität und Digitalisierung aber auch erheblichs Einstellungspotenzial. (Bild: London 01 2013 BMW i3 5688.JPG / Mario Roberto Duran Ortiz, Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)

Zu wenige Ladestationen, eine zu geringe Reichweite und zu hohe Anschaffungskosten verhindern bisher eine schnellere Ausbreitung der Elektrofahrzeuge. Doch der Zeitpunkt rückt näher, an dem die E-Autos ihren Siegeszug endgültig antreten – und bis zu 250.000 Beschäftigte um ihren Job fürchten werden.

In den letzten Monaten mehren sich die Meldungen: Nach der IG Metall und dem Automobilzulieferer Continental, vertritt auch VW-Personalvorstand Karlheinz Blessing die Ansicht, dass zukünftig deutlich weniger Menschen in der Automobilbranche angestellt sein werden. Betreffen wird dies hauptsächlich das Herz des Automobilbaus – die Motorenfertigung.

Jahrzehntelang stiegen bis auf kleinere Unterbrechungen die Mitarbeiterzahlen in der Automobilindustrie. Im vergangenen Jahr wurde der Höchstwert von ca. 880.000 Angestellten (2010: 701.585) erreicht. Hinzu kam, zumindest für Festangestellte, das vorläufige Gehaltsrekordniveau von durchschnittlich 43 Euro pro Stunde (2010: 35€/h).

Der Fortschritt geht ungebremst voran, doch die ersten unangenehmen Meldungen machen die Runde. Im November des vergangenen Jahres schreckte die IG Metall viele Angestellte auf. Bis zu 250.000 Arbeitsplätze sieht die Gewerkschaft gefährdet – hauptsächlich durch die fortschreitende Automatisierung und Elektrifizierung der Fahrzeugflotten.

Elektrofahrzeuge sind technisch wesentlich einfacher zu fertigen als herkömmliche Autos. Neben dem Motor, fällt auch das Getriebe weg. Dies bewirkt selbstverständlich keinen abrupten oder gar radikalen Stellenabbau, doch aufzuhalten ist er nicht, wie Frank Iwer (IG Metall) im Gespräch mit der SZ erklärt.

„Diese Effekte stellen sich alle in den nächsten zehn bis 15 Jahren ein. Die Zeit muss für eine Anpassung genutzt werden“, erörtert Iwer weiter. Man könnte eine einzelne Meldung womöglich als Schwarzmalerei abhandeln, doch nun bestätigt auch VW-Personalvorstand Karlheinz Blessing die Aussichten.

„Ich glaube, dass im Zeitalter von Elektromobilität und Digitalisierung weniger Leute mit dem Autobau beschäftigt sein werden. Legen Sie mal einen Elektromotor neben einen hochkomplexen Verbrenner. Dann sehen Sie: Einen Elektromotor zu bauen, erfordert deutlich weniger Aufwand", sagte Blessing im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Bei VW werden bis 2025 weltweit 30.000 Jobs gestrichen, 23.000 davon alleine in Deutschland. Beschlossen wurde dies im sogenannten Zukunftspakt. Dieser soll die Weichen für den Wolfsburger Autobauer Richtung Elektromobilität, Digitalisierung und Dienstleistungen stellen.

Von Wandel sind nicht nur die Autobauer selbst betroffen. Auch Zulieferer wie Continental müssen sich neu ausrichten. „Es wird aufgrund der geringeren Wertschöpfung zum Verlust an Produktionsarbeitsplätzen kommen“, sagte Vorstandschef Elmar Degenhart der „Welt am Sonntag“.

Insgesamt sind laut Degenhart bis zu 30.000 Arbeitsplätze vom Verbrennungsmotor abhängig. Doch als Gefahr für seine Angestellten will er die Elektromobilität nicht sehen. Es würden „viele Stellen im Bereich der Elektromobilität angesiedelt werden können.“ Ob am Ende mehr Stellen gestrichen oder neue entstehen werden, sei noch nicht abzusehen.

In die gleiche Richtung spekuliert Enzo Weber vom Nürnberger IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung). Durch die Digitalisierung würden viele Jobs verloren gehen. Von bis zu 1,5 Millionen bis 2025 geht der Forscher aus. Doch im selben Umfang würden auch neue Jobs entstehen.

Nicht zu beantworten sei hingegen die Frage, ob es die gleichen Menschen sein werden, die eine Arbeit finden, so Weber gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Wesentlich skeptischer urteilt McKinsey-Experte Andreas Tschiesner, der einen Teil der zukünftigen Wertschöpfungskette nicht mehr in Deutschland sieht.

Diese Zeichen hat auch Daimler-Betriebsratschef Brecht erkannt. Vieles hänge vom Grad der Eigenproduktion bei neuen Technologien ab. „Wir wollen, dass es diese Jobs in unseren Fabriken und Büros gibt und nicht bei Dritte“, so Brecht auf SZ-Anfrage weiter.

Noch bestünde laut Brecht kein Grund zur Sorgen. In 15 Jahren könne sich die Situation jedoch dramatisch ändern. Bis dahin bleibt für ca. 250.000 Angestellte die Unsicherheit.

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48kW sollen zum Bremsen reichen? Rechnen Sie bitte mal selbst, wie viel Leistung z.B. bei 1t...  lesen
posted am 17.02.2017 um 07:34 von Unregistriert

Ein modernes E-äMobil hat nichts mit einem Auto mit VerpuffungsAntrie gemeinsam....  lesen
posted am 15.02.2017 um 11:51 von Unregistriert

Ja, das Problem wird es wohl immer wieder geben. https://www.youtube.com/watch?v=7Pq-S557XQU - In...  lesen
posted am 14.02.2017 um 15:54 von Unregistriert

im 19. Jahrhundert war es der mechanische Webstuhl, gestern noch das wegfallen von Buchhändlern...  lesen
posted am 14.02.2017 um 12:26 von Unregistriert


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