31.01.13 | Redakteur: Thomas Kuther

Daimler, Ford und Renault-Nissan haben sich ebenso sowie BMW und Toyota zusammengetan, um Brennstoffzellenfahrzeuge gemeinsam in großer Stückzahl auf den Markt zu bringen. Ein Kommentar von Dr. Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW)
Daimler, Ford und Renault-Nissan haben ein Abkommen getroffen, um die Kommerzialisierung von Brennstoffzellenfahrzeugen weiter voranzutreiben. Ziel der Zusammenarbeit ist es, gemeinschaftlich ein Brennstoffzellensystem zu entwickeln und dabei gleichzeitig die Entwicklungskosten zu senken. Für 2017 wird die großflächige Markteinführung der Fahrzeuge angestrebt.
Ebenfalls gemeinsame Sache machen BMW und Toyota, die ihre Partnerschaft bei der Entwicklung neuer Antriebe vertiefen wollen. Konkret haben beide Unternehmen verabredet, bis 2020 gemeinsam ein Brennstoffzellenfahrzeug zu entwickeln.
Die internationale Kooperation namhafter Automobilhersteller bei der Entwicklung von Brennstoffzellen-Antrieben unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Industrie, den Markteintritt mit signifikanten Stückzahlen vorzubereiten. Parallel zum Markteintritt der Fahrzeuge muss heute schon eine bedarfsgerechte Infrastruktur zur Betankung mit Wasserstoff geschaffen werden. Genau das geschieht. Politik und Industrie haben zum Ziel erklärt: 50 öffentliche Wasserstofftankstationen bis 2015. Für den kommerziellen Hochlauf der Infrastruktur arbeiten im Rahmen der H2-Mobility Initiative Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen – Automobil, Gase, Mineralöl und Energieversorgung – zusammen.
Dabei ist der Verkehrssektor in den größeren Kontext der Energiewende eingebettet. CO2-Emissionen müssen durch den stärkeren Einsatz von erneuerbaren Energien gesenkt werden. Wir wissen heute, dass die Integration von Wasserstoff aus volatiler Windenergie in das Energiesystem längerfristig ein positives Geschäftsmodell sein wird. Über die Gesamtkette von der Erzeugung mittels Elektrolyse, der Kavernen-Speicherung großer Mengen, bis zur Nutzung im Verkehr bzw. der Rückverstromung ins Netz können CO2-Emissionen langfristig gegen Null gefahren werden und zudem in Deutschland eine ganz neue Wertschöpfung stattfinden.“
In der Studie „Integration von Wind-Wasserstoff-Systemen in das Energiesystem“ hat die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie untersucht, welchen Beitrag der Wasserstoff zum Gelingen der Energiewende sowohl aus technischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht leisten kann. Ein wesentliches Ergebnis der Analyse ist, dass 2030 je nach Region und je nach Annahmen bis zu 3000 h bzw. an 80 bis 125 Tagen Überschussstrom zu erwarten ist. Daraus können über Elektrolyse etwa 30.000 t Wasserstoff gewonnen werden, mit mehreren Anlagen sogar noch mehr.
Diese rund 30.000 t Wasserstoff entsprechen von ihrem Energieinhalt her etwa 110 Mio. l Benzin. Diese Energiemenge reicht aus, um rund 200.000 Brennstoffzellenfahrzeuge mit einer Laufleistung von 11.500 bis 16.000 km pro Jahr zu betreiben. Unter günstigen Bedingungen ist es möglich, dass dieser Wasserstoff zu einem Preis an der Zapfsäule angeboten werden kann, der geringere Kraftstoffkosten pro gefahrenen Kilometer ermöglicht als konventionelle Treibstoffe.
Alternativ kann bei Windflauten wieder Strom erzeugt werden. Aus 30.000 Tonnen Wasserstoff lässt sich der Jahresbedarf von rund 135.000 Vier-Personen-Haushalten decken. Allerdings ist der Kraftstoff-Pfad der wirtschaftlich der Attraktivere.
Gemeinsam haben Politik und Industrie das Ziel ausgegeben, bis 2015 die Zahl der öffentlich zugänglichen Wasserstofftankstellen von 15 auf 50 zu erhöhen. Ganz wesentlich für diesen Ausbau ist die Bundesförderung im Rahmen des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP), das von der NOW koordiniert wird. Die 50 Tankstellen würden den Wasserstoff-Bedarf von 5000 Brennstoffzellenfahrzeugen abdecken. Schwerpunkt für den Aufbau dieses Netzwerks sind die Metropolregionen sowie die verbindenden Korridore.
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