Interview

Sind die Herausforderungen der Elektromobilität beherrschbar?

25.10.12 | Redakteur: Thomas Kuther

Matthias Popp, Director Automotive der SGS-Gruppe Deutschland
Matthias Popp, Director Automotive der SGS-Gruppe Deutschland (Bild: SGS Germany)

Ohne Akkus keine Elektromobilität. Aber wie sicher sind sie? Wir sprachen mit Matthias Popp, Director Automotive der SGS-Gruppe Deutschland, über die Sicherheit von Akkus in Elektro- und Hybridfahrzeugen.

Kürzlich ging in China nach einem Unfall ein Elektroauto in Flammen auf. Drei Menschen kamen dabei ums Leben, weil vermutlich die Lithium-Ionen-Batterie des Elektroautos Feuer gefangen hat. Wie gefährlich ist Elektromobilität?

Elektroautos sind nicht gefährlicher als konventionelle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Es sind einfach andere Risiken, die hier auftreten. Neben der Brandgefahr sind das zum Beispiel auch giftige Stoffe, die womöglich freigesetzt werden können. Grundsätzlich sind die sicherheitstechnischen Herausforderungen der Elektromobilität jedoch beherrschbar. Nicht zuletzt auch, weil alle Autos samt ihrer Komponenten zahlreiche Prüfungen bestehen müssen, bevor sie für den Straßenverkehr zugelassen werden: Was passiert tatsächlich bei einem Unfall? Halten die Antriebsbatterien Stößen, Wasser, Frost und Steinschlag stand?

Erfüllt die aktuelle Generation der Antriebsbatterien alle diese Anforderungen? Wie schneiden die Akkus bei Ihren Prüfungen ab?

Sicherlich gibt es Prüflinge, die noch nicht serienreif sind. So zeigt sich bei der Prüfung der Batterien natürlich immer wieder, in welcher Hinsicht sie noch weiterentwickelt werden müssen, um alle wichtigen Anforderungen zu erfüllen. Insgesamt sind die Hersteller unserer Einschätzung nach auf einem guten Weg. Viele Anstrengungen wurden hier in Forschung und Entwicklung unternommen – vor allem auch, weil die Akzeptanz einer neuen Technologie entscheidend von ihrer sicheren Handhabung abhängt. So ist auch die Elektromobilität untrennbar mit dem Thema Sicherheit verbunden, an dem es aus Sicht aller Marktbeteiligten keine Abstriche geben darf.

Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen bei der Batterieentwicklung?

Die Antriebsbatterie ist die zentrale Komponente in einem E-Car und somit unmittelbar ausschlaggebend dafür, ob der Systemwechsel zur Elektromobilität gelingen kann. Leistung, Sicherheit und Zuverlässigkeit müssen dem automobilen Einsatz genügen und der konventionellen Technik zumindest ebenbürtig sein. Bei unserer Zusammenarbeit mit der Automobilindustrie – von der Entwicklung bis hin zur Serienreife und Straßenzulassung – geht es daher derzeit vor allem darum, die Akkus leichter, günstiger und leistungsfähiger zu machen.

Die sicherheitstechnischen Themen werden im Moment dagegen vor allem von der Komplexität der Elektromobilität dominiert. Die Fülle von neuen Konzepten, Systemen sowie Funktionalitäten ist sehr groß. Die Herausforderung besteht daher darin, die technische Vielfalt bis in die relevanten Details hinein zu erfassen und dabei die Sicherheit des Gesamtsystems im Fokus zu behalten. Deswegen engagieren wir uns als SGS auch in der von der Bundesregierung geförderten SafeBattInitiative, um die Prüfverfahren weiter zu optimieren und zu standardisieren, deren Treffsicherheit beim Auffinden von Defiziten zu erhöhen und die internationale Vereinheitlichung wichtiger Sicherheitskriterien für Extremsituationen voranzutreiben.

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