Interview mit Mark Jones

Wichtig ist immer die Nähe zum Kunden

26.10.12 | Redakteur: Kristin Rinortner

Mark Jones, Omron: ist COO bei Omron Electronics Europe und Direktor des globalen Automotive-Business beim Unternehmen
Mark Jones, Omron: ist COO bei Omron Electronics Europe und Direktor des globalen Automotive-Business beim Unternehmen (Archiv: Vogel Business Media)

Die japanische Firma Omron ist seit den 1970er Jahren in Europa aktiv. Das betrifft neben der Automatisierungstechnik vor allem elektronische Komponenten. Wir sprachen mit dem Leiter des operativen Geschäftsbereichs Mark Jones über die Bedeutung des europäischen Markts.

Herr Jones, Wie wichtig ist der europäische Markt für Sie als weltweit tätigen Hersteller von elektronischen Bauelementen?

Ein interessanter Trend im globalen Elektronikgeschäft ist die zunehmende Kundennähe. Das ist mittlerweile für alle Hersteller ein „Muss“. Europa ist einer der weltgrößten Endverbrauchermärkte für Elektronik und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine Fertigung vor Ort werden stetig besser. In China steigen die Lohnkosten. Auch wenn sich neue Niedriglohnregionen wie Vietnam auftun, sprechen andere Faktoren gegen eine globalisierte Fertigung. Wachsende Energiekosten wirken sich immer stärker auf die Logistikkosten aus, und dass lange Lieferketten unflexibel sind, hat sich mittlerweile weit herumgesprochen. Auch hat die jüngste wirtschaftliche Instabilität das Wechselkursrisiko im Zusammenhang mit der Fertigung in Asien für den europäischen und US-Markt erhöht.

Wir beobachten, dass unsere Kunden in die Fertigung in Europa investieren und höhere Lohnkosten durch Automatisierung kompensieren. Tatsächlich haben wir diesen Schritt selbst vollzogen, indem wir bedeutend in unsere Fertigungsstätte für Automobilrelais im italienischen Alatri investiert haben.

Welche Auswirkungen hat die Euroschwäche auf Omrons Geschäftstätigkeit in Europa?

Omron hat positiv auf die Herausforderung schwacher Euro – starker Yen reagiert. Die erheblichen Investitionen in unsere Automotive-Produktionsstätte in Alatri haben die Belieferung unserer europäischen Kunden von diesem Standort aus wirtschaftlicher gestaltet. Der schwache Euro bedeutet für uns auch, dass der Export an unsere weltweiten Kunden von Italien aus derzeit attraktiv ist.

Welchen Stellenwert nimmt der Verkauf Ihrer Produkte in Europa über Distributoren ein?

Die Distribution war in Europa schon immer sehr wichtig für uns und wird es auch weiterhin bleiben. Für viele Märkte. Vor allem bei erneuerbaren Energien und Elektrofahrzeugen ist Europa noch immer die Wiege der Innovation. Hier findet viel Entwicklungstätigkeit statt. Unsere Distributoren haben dies erkannt und hart daran gearbeitet, ihre Angebote vor allem hinsichtlich Designsupport und Logistik zu verbessern. Ganz allgemein ist die Distribution viel ausgefeilter geworden und wird weiterhin immer besser und besser.

Ergänzendes zum Thema
Kurzporträt Omron

Bieten gesättigte Märkte wie die für Schalter und Relais noch immer Innovationschancen?

Ja. Wir verkaufen mehr Schalter und Relais als je zuvor und sehen keinerlei Anzeichen für eine nachlassende Nachfrage. Halbleiterschalter und -relais sind ein bedeutender Teil unserer Geschäftstätigkeit. Doch was die Preisgestaltung für viele Anwendungen betrifft, sind elektromechanische Lösungen nur schwer zu schlagen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, haben wir die Konstruktion unserer Bauelemente und die Herstellprozesse überarbeitet. Hierdurch können wir neue Märkte ansprechen wie die oben erwähnten erneuerbaren Energien und Elektrofahrzeuge. Diese haben spezielle Besonderheiten, die von herkömmlichen Schaltern nicht bedient werden können, wie zum Beispiel häufiges langfristiges Schalten von hohen DC-Strömen. In einem Wechselrichter für Solarstromanlagen können elektromechanische Relais für Schaltlasten zwischen 20 und 50 A eingesetzt werden. Industrielle Hochstrom-Anwendungen können mehrere drei- und vierpolige Kontaktkonfigurationen beinhalten, andere mit niedrigerer Leistung, zum Beispiel im Wohnbereich, benötigen typischerweise nur zwei- oder einpolige Kontakte.

Welche Rolle spielt die Normung in der Photovoltaik?

Der wichtigste Passus des Standards VDE 0126 ist der, welcher die Anforderungen zur automatischen Trennung von der AC-Schnittstelle definiert, damit Wechselrichter vom Stromnetz isoliert werden. Der Photovoltaik-Wechselrichter muss überdies einen eigensicheren Betrieb gewährleisten und über eine ausfallsichere Redundanzfunktion verfügen. Der Standard VDE 0126 verlangt, dass jedes im Wechselrichter eingesetzte elektomechanische Relais einen großen Kontaktabstand von typisch 1,5 bis 3 mm oder mehr aufweist um diesen Anforderungen zu genügen.

Was ist das Fazit des Jahres 2012 für Omron in Europa?

Ingesamt erwarten wir für 2012 ein verhaltenes Wachstum. Unsere ‘traditionellen’ Märkte werden weitgehend flach bleiben, doch eröffnen sich uns neue Möglichkeiten in den aufstrebenden Wachstumsmärkten Erneuerbare Energien und Elektromobilität. Elektromechanische Relais spielen im Rahmen eines effektiven Energiemanagements eine ganz wichtige Rolle, denn sie sorgen dafür, dass Systeme oder Subsysteme vollständig heruntergefahren werden und keine Energie verbrauchen, wenn sie nicht in Betrieb sind. Denn wie der Stromfluss geschaltet und genutzt wird, hat signifikante Auswirkungen auf die Strombilanz.

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