Elektrisch und autonom: Bedrohung oder Chance für die Autobauer?

| Autor / Redakteur: Andrej Sokolow und Thomas Strünkelnberg, dpa / Benjamin Kirchbeck

Deutlich wie nie zuvor wird, dass die Branche voll in den Kampf um die Zukunft einstiegen ist, in der autonomes Fahren heutige Geschäftsmodelle der Hersteller erschüttern kann.
Deutlich wie nie zuvor wird, dass die Branche voll in den Kampf um die Zukunft einstiegen ist, in der autonomes Fahren heutige Geschäftsmodelle der Hersteller erschüttern kann. (Bild: Christoph Schmidt/dpa)

Elektrisch, autonom - das viel beschworene Auto der Zukunft hat Potenzial. Vor allem das Potenzial, die Autobranche gewaltig umzukrempeln. Oder gar zu bedrohen?

Alle Welt spricht von Roboterautos, VW-Chef Matthias Müller rollt stolz in der selbstfahrenden Studie Sedric auf die Bühne. Gewöhnungsbedürftig, aber es macht schnell Spaß, urteilt der Konzernchef. Aber gemessen daran machen sich die Roboterautos auf der diesjährigen IAA eher rar.

Auffällig ist vor allem das New-Mobility-Außenareal, auf dem Testwagen unermüdlich vor Hindernissen bremsen und emsig Fußgängern aus Pappe ausweichen. Deutlich wie nie zuvor wird auf der Messe in Frankfurt, dass die Branche voll in den Kampf um die Zukunft einstiegen ist, in der autonomes Fahren heutige Geschäftsmodelle der Hersteller erschüttern kann.

Der Schlüssel für den Wandel sind vor allem Mobilitätsdienste, die mit der Ausbreitung selbstfahrender Robotaxis durchstarten können. Doch das heutige Geschäft mit dem Fahrzeugverkauf an Verbraucher und Firmen könnten sie abwürgen.

„Wenn man jederzeit in ein autonom fahrendes Fahrzeug einsteigen kann, dann braucht man kein Auto mehr für die Stadt“, sagt Branchenexperte Axel Schmidt von der Unternehmensberatung Accenture. Dagegen sagt Ralph Lauxmann, beim Zulieferer Continental verantwortlich für die Entwicklung des autonomen Fahrens, es werde weiterhin auch Privatfahrzeuge geben.

Setzt man die Roboterautos effizient ein - ohne die heute normalen langen Stehzeiten - sind allerdings viel weniger von ihnen nötig. „Wir haben Simulationen gemacht für die Berliner Innenstadt: Wenn wir auf selbstfahrende Autos umstellen, brauchen wir nur ein Siebtel der heutigen Fahrzeugflotte“, sagt der für Digitalisierung zuständige VW-Manager Johann Jungwirth.

Das müsse aber nicht unbedingt schlecht für die Auslastung der Herstellerfabriken sein: „Durch die höhere Nutzung werden die Fahrzeuge alle zwei Jahre getauscht - die heutige Lebensdauer eines Autos liegt bei 15 Jahren.“

Doch mit dem Vormarsch der Mobilitäts-Apps stehen die Autobauer vor der nächsten Frage: Wie pflegt man in dieser neuen Welt seine Marke? Achtet noch irgendjemand, der heute ein Ticket für einen Kurzstreckenflug kauft, darauf, ob er in einer Maschine von Boeing oder Airbus sitzt? Den Unterschied machen eher Preisklasse und Service der Airline aus. Wird das in Zukunft bei Mobilitätsdiensten anders sein?

Einige Experten warnen, dass vor allem die Marken der Massenhersteller austauschbar zu werden drohen. Fachmann Stefan Bratzel sagt, nicht mehr das Fahrzeug, sondern die Mobilitätsdienstleistung werde künftig entscheidend sein. „Es besteht die Gefahr, dass man als Hersteller in der Wertschöpfungskette als Zulieferer zurückfällt.“ Er spricht von einer „disruptiven“ Technologie.

„Die spannende Frage am Ende des Tages ist: Wer verdient wo Geld und wer hat den Kundenzugang“, sagt Accenture-Experte Schmidt. „Wer den Kundenzugang hat, sitzt an der Quelle und kann die Services bestimmen oder beeinflussen.“

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posted am 14.09.2017 um 16:53 von Unregistriert


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