Aktion Elektronik hilft 2012

Afrika goes Internet

25.09.12 | Autor / Redakteur: Margit Kuther / Margit Kuther

Digitale Kommunikation in Afrika: Facebook, Internet, Twitter & Co. erobern den afrikanischen Kontinent
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Digitale Kommunikation in Afrika: Facebook, Internet, Twitter & Co. erobern den afrikanischen Kontinent (Bild: Facebook)

Fremde diktierten jahrhundertelang die Geschicke Afrikas. Doch Afrikaner sind auf dem besten Wege, sich dank schnellem Internet und mobilen Technologien zur Wirtschaftsmacht 2020 zu wandeln.

Afrika war bis vor wenigen Jahren hinsichtlich Web 2.0 noch ein weißer Fleck. Doch die Zahl der Nutzer zwischen Kairo und Kapstadt wächst stetig. Afrika hatte laut Internet World Stats Ende 2011 rund 140 Mio. Internet-Nutzer. Im Jahr 2000 waren es gerade einmal 4,5 Mio. Das ist ein phänomenales Wachstum von rund 3000%. Von diesen 140 Mio. Surfern haben 40 Mio. Facebook.

Unterseekabel schaffen schnelles, preiswertes Internet

Für den Siegeszug des Internets sind hauptsächlich die Glasfaser-Unterseekabel verantwortlich, die entlang der Ost- und Westküste des Kontinents verlegt sind, an Land andocken und Afrika peu à peu mit schnellem Breitbandverbindungen durchziehen. So läuft etwa das Unterseekabel West Africa Cable System (WACS), von London bis nach Yzerfontein in Südafrika und hat insgesamt 14 Verknüpfungen mit dem Festland, darunter Lissabon, die Kapverden, Ghana, Kamerun und Namibia.

Und das East Africa Submarine Cable System (EASSy) verbindet verschiedene Staaten in Ostafrika mit Europa und Amerika. Die Glasfaserkabel werden in die großen Städte gelegt und von dort aus wird das Internet etwa mit Richtfunk-Antennen weiterverbreitet. So weit die Theorie: In Kenia beispielsweise wird sie umgesetzt. Auch in Sierra Leone docken die Tiefseekabel an, doch es fehlt der Wettbewerb an Internetanbietern, der die Preise purzeln ließe.

Einfache Handys spielen beim digitalen Informationsaustausch in Afrika die wichtigste Rolle; Smartphones sind wegen des hohen Preises noch wenig verbreitet. Auch PCs sind für das Gros der Afrikaner zu teuer. Zudem ist die Stromversorgung in vielen Gebieten noch mangelhaft – und Handys lassen sich zur Not auch beispielsweise via Autobatterie laden.

Per Internet Jagd nach Kriegsverbrechern in Afrika

Tausende Internetnutzer unterstützten die Video-Kampagne der kalifornischen Non-Profit-Organisation Invisible Children (unsichtbare Kinder) Kony 2012. Das Video, gedreht von Jason Russell, will helfen, den Anführer der brutalen, ugandischen Rebellengruppe Lords Resistance Army (LRA), Joseph Kony, zu fangen und vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu stellen.

Kony und seine Rebellen zwangsrekrutierten Kindersoldaten, mordeten, vergewaltigten und terrorisierten über 25 Jahre einen Teil Ugandas sowie die Nachbarstaaten. Der Film soll in den ersten fünf Tagen 70 Millionen Mal aufgerufen worden sein. Er schaffte es immerhin, Joseph Kony und seine Rebellengruppe weltweit ins digitale Rampenlicht zu zerren.

Afrikaner lösen sich aus der Bevormundung der Weißen

Doch insbesondere in Afrika regte sich Protest gegen das Video Kony 2012: Wie so oft profilierten sich Weiße als Retter armer, afrikanischer Kinder. Zudem stellten sie die Realität Afrikas verzerrt dar. So verschweigt das Video Kony 2012 die Anstrengungen der Ugander, den Konflikt zu lösen. Der Film erweckt zudem den Anschein, als herrsche in Uganda noch Krieg. Tatsächlich ist Kony mit seiner Rebellentruppe bereits 2006 nach Kongo geflohen.

Immer weniger Afrikaner sind bereit, die Klischees Fremder einfach hinzunehmen. Via Internet teilen sie nun der Welt ihre Meinung mit. So veröffentlichte die ugandische Journalistin Rosebell Kagumire selbst den Film My response to Invisible Children’s campaign als Antwort auf Kony 2012. Sie will zeigen, wie man mit einer einzigen Geschichte und alten Aufnahmen eine ungerechtfertige Hysterie herbeirufen kann.

Bürgerjournalismus zwischen Kairo und Kapstadt

Immer mehr Afrikaner erheben via Internet ihre Stimmen und wehren sich so gegen Bevormundung jeglicher Art. Ein Beispiel hierfür ist der Arabische Frühling 2010, der in Tunesien startete und sich mit Protesten, Aufständen und Revolutionen in der arabischen Welt, etwa in Libyien, Ägypten, Marokko und dem Sudan, fortsetzte. Afrikaner und die ganze Welt wurden Zeugen, wie sich via Internet und Twitter Massen mobilisieren lassen. Doch die Afrikaner haben auch Wege gefunden, wie sie mittels Internet, Twitter & Co. ihren Alltag vereinfachen können.

M-Pesa, entwickelt von Afrikanern für die Welt

Mal rasch zur Bank gehen und Geld überweisen – in Afrika ist dies wegen fehlender Infrastruktur oft unmöglich. So verdienen sich Busfahrer als Geldkuriere, indem sie etwa das Gehalt eines Familienangehörigen der hunderte oder gar tausende von Kilometern entfernt wohnenden Familie überbringen.

Doch seit 2007 entwickelt sich von Kenia aus eine neue, afrikanische Form des Bankgeschäfts, das M-Pesa (M steht für Mobil, Pesa für Geld (Kisuaheli)). Da Mobiltelefone im Gegensatz zu Geldautomaten in Afrika weit verbreitet sind, haben sich die kenianische Mobilfunkfirma Safaricom und Vodafone zusammengetan, und einen bargeldlosen Zahlungsverkehr via Handy-App initiiert. Die Sim-Karten von Safaricom wurden dazu so umprogrammiert, dass sie Bargeld in Handyguthaben umwandeln. Überweisungen lassen sich so einfach per SMS übermitteln, der Empfänger berkommt das Geld bar ausbezahlt. Nun haben auch Menschen in entlegenen Gebieten Zugang zu Bankdienstleistungen.

Der Vorteil ist immens. M-Pesa ermöglicht auch Bewohnern ländlicher Gebiete, Geschäfte zu tätigen und Handel nicht mehr nur vor Ort sondern über tausende von Kilometern hinweg zu betreiben. Denn Safaricom-Niederlassungen durchziehen das Land, sie finden sich selbst in abgelegenen Tankstellen und Supermärkten. Auch in Gegenden ohne Stromanbindung ist M-Pesa vertreten, denn Handys lassen sich auf vielseitige Weise laden. Kein Wunder, dass es in Kenia bereits 15 Mio. M-Pesa-Kunden gibt.

M-Pesa ist ein Beispiel dafür, dass digitale Kommunikationstechnologien nicht nur Afrika verändern, sondern Afrikaner auch der digitalen Kommunikation ihren Stempel aufdrücken. Denn M-Pesa entwickelt sich zum afrikanischen Exportschlager: So hat Vodafone in Afghanistan bereits einen vergleichbaren Service aufgezogen und auch in Indien ist das mobile Bezahlsystem auf dem Vormarsch. Und ständig tauchen weitere mobile Bankdienste auf wie Kopo Kopo, PesaPal, M-Player und Moca.

Auch ohne iPhone und Blackberry boomt in Afrika der Handysoftware-Markt: Eine ganze Armada an IT-Startups entwickelt Apps für Billigtelefone und für das heranrollende mobile Web. So titelte das US-Magazin Wired: “Willst Du Internet-Milliardär werden, ziehe nach Afrika. Eine Milliarde Menschen und kaum Konkurrenz. Das sind Verhältnisse wie bei uns 1995.“

Silicon Savannah – lockt ausländische Investoren

Denn M-Pesa ist nur ein Beispiel, wie mobile Technologien und das Internet den afrikanischen Kontinent verändern. Das Besondere: Nicht Europäer oder Amerikaner sind die Drahtzieher, sondern Afrikaner verändern ihren Kontinent selbst, indem sie neue Technologien ihren Anforderungen entsprechend entwickeln. Technologie-Treiber zu sein, schafft auch ein neues Selbstwertgefühl: Von “Silicon Savannah” spricht daher nicht nur Mark Kaigwa, kenianischer Berater für neue Medien auf der diesjährigen Konferenz Re:publica in Berlin. Auch immer mehr ausländische Unternehmen und Investoren sehen in Ostafrika und Kenia den Dreh- und Angelpunkt für mobile Innovationen.

M-Farm, Kilimo Salama Plus, iHub und Frontline SMS

M-Farm beispielsweise heißt ein System, bei dem Bauern via SMS den Wert ihrer Waren abfragen und diese selbst vermarkten können. Sie machen sich auf diese Weise unabhängig von ihren Handelspartnern vor Ort, die oft ihre Monopolstellung ausnutzten und äußerst niedrige Preise bezahlten.

Bei dem Projekt Kilimo Salama Plus können sich Afrikaner gegen Ernteverluste durch Klimakatastrophen absichern. Herkömmliche Versicherer haben bei den Bauern das Vertrauen verspielt, denn zu oft verschwand das Geld auf Nimmerwiedersehen. Das Projekt wurde von der Syngenta-Stiftung in Verbindung mit Safaricom ins Leben gerufen.

Über Kilimo Salama Plus können sie ihre Investitionen in Dünger und Saatgut (das sie allerdings nicht zuletzt von dem Schweizer Agro-Konzern Syngenta beziehen) versichern. Das Projekt funktioniert jedoch, denn die Zahl der Versicherten steigt ständig. Um den Schaden exakt erfassen zu können, hat die Stiftung ein enges Netz solarbetriebener Wetterstationen errichtet. Das Bezahlen der Prämien und die Schadensregulierung laufen über M-Pesa.

Einer der wichtigsten Treffpunkte für IT-Interessierte ist der iHub in Nairobi. Die Community initiiert verschiedenste Projekte wie das iHub-Robotics-Boot-Camp und ist ein Magnet für Investoren.

Aktivisten und Organisationen profitieren vom Open-Source-Programm FrontlineSMS. Es verbindet Handys mit einem PC und kann so Textnachrichten an verschiedenste Adressaten gleichzeitig verschicken. Entwickelt wurde die Software im Krüger Nationalpark, eingesetzt wurde sie unter anderem bei dem Erdbeben 2010 in Haiti.

Fazit: Das afrikanische Volk profitiert vom Internet

Natürlich hat der Internet- und Handyboom in Afrika auch seine Kehrseite. Wer etwa zu einer Demonstration aufruft, hinterlässt digitale Spuren. Selbstverständlich können diese von Diktatoren und ihren Schergen zurückverfolgt werden. Auch Betrüger und Hassprediger werden diese Medien für ihre Zwecke missbrauchen. Und die neuen Breitbandkabel alleine machen Afrika nicht zum Wirtschafts-Eldorado. Entscheidend ist, dass das afrikanische Volk sich nun via Twitter, Youtube, etc der Welt mitteilen kann. Afrika ist nicht mehr stumm und wird seine Geschicke vermehrt in die eigene Hand nehmen.

Transformanz, Business-Plattform für Afrika

Oktober 2012: Roland Nwancha, Geschäftsführer und Hauptanalyst der Transformanz GmbH, erstmals sein Unternehmen der Öffentlichkeit vor. Es ist die erste Business-Plattform die Informationen in Sachen Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten in den 45 afrikanischen Staaten bietet, die sich südlich der Sahara befinden. Transformanz unterstützt so, Unternehmer bei ihrer Geschäfts- bzw. Investmententscheidung und bei den Transaktionen.

Mit seiner strukturierten Vorgehensweise führt das Unternehmen detaillierte Recherchen und Analysen der Chancen und Risiken auf den afrikanischen Märkten in verschiedenen Branchen unabhängig durch. Diese werden u. a. durch die positive demografische Entwicklung, wachsende Nachfrage der Mittelschicht und die zahlreichen verfügbaren Ressourcen angetrieben.

Schnell und zuverlässig erstellt das Expertenteam von Transformanz, Länder- und Industrie-Profile und hilft so den Kunden, ihre Erträge zu optimieren. Auf der Firmenhomepage, die bereits seit über einem Monat online ist, können sie zusätzlich Werbung in verschiedenen Formaten schalten, um eine breite Zielgruppe zu erreichen. //MK

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