Risiko duales Geschäftsmodell

Boards aus Asien von westlichen PCB-Produzenten gehandelt

| Autor / Redakteur: Theo Langer * / Gerd Kucera

Wie lässt sich der Zukauf von Leiterplatten aus Asien dauerhaft professionell und stabil organisieren ?
Wie lässt sich der Zukauf von Leiterplatten aus Asien dauerhaft professionell und stabil organisieren ? (Archiv: Vogel Business Media)

Leiterplattenlieferant CML kooperiert seit Jahren erfolgreich mit asiatischen Herstellern. Der Autor zeigt die Gefahren des zusätzlichen Handelsgeschäfts mit asiatischen PCBs und stellt seine Lösung vor.

Die Herausforderung: Die heutige Realität von kleinen und mittleren westlichen Leiterplattenherstellern sieht oft so aus, dass sie Ihre Eigenherstellung mit Handelsgeschäft aus Asien ergänzen bzw. ergänzen müssen. Die Vorteile, die westliche Leiterplattenhersteller u.a. daraus gewinnen sind erstens: Die Abdeckung von Volumina und/oder Technologien, die mit der eigenen Fertigung nicht mehr realisiert werden können. Zweitens: Die bestehenden Kunden werden an das Unternehmen gebunden, indem man ihren speziellen Wünschen durch das eigene Haus, d.h. durch selbstorganisierten Überseeeinkauf von Leiterplatten, entspricht. Dadurch ist die Gefahr geringer, dass der Kunde eventuell abwandert.

Ein duales Geschäftsmodell auf wackeligen Füßen

Dass solche Wünsche in der eigenen Fertigung nicht realisierbar sind, hat hauptsächlich zwei Gründe. Die angefragten Produktionslose sind für die eigene Fertigung zu groß, und die verlangte Technologie kann zu wettbewerbsfähigen Preisen nicht mehr eigengefertigt werden.

Darüber hinaus wird teilweise die eigene Fertigung durch die erzielten Gewinne aus dem Zukauf der in Asien hergestellten Leiterplatten unterstützt. Dieses auf zwei Standbeinen basierende Geschäftsmodell vieler Hersteller ist also oft auf eine Kombination, aus Eigenfertigung und Handelsgeschäft, angewiesen. Das Eine kann nur schwer ohne das Andere existieren.

Das Paradoxon: Momentan gibt es etwa 500 kleine und mittelgroße Leiterplattenhersteller in der westlichen Welt. Nicht wenige von ihnen konkurrieren mit ähnlichen Geschäftsmodellen. Der hart umkämpfte Markt in diesem Geschäft schreckt viele zurück, beim Zukauf von Leiterplatten zusammenzuarbeiten.

Wenn man sich deshalb die heutige PCB-Zukauf-Strategie eines jeden kleinen/mittelständischen Leiterplattenherstellers isoliert betrachtet, kann diese Ausgangslage jedoch schnell zu einer (wie die Amerikaner sagen) „catch-22“-Situation führen, die prekär ist. Denn es besteht die Gefahr, dass das zweite Standbein des gemischten Geschäftsmodelles, nämlich die eigene Leiterplattenproduktion, gefährdet wird. Eine catch-22-Situation ist eine paradoxe Situation, in der ein Individuum Probleme nicht vermeiden kann, da widersprüchliche Sachzwänge vorliegen.

Und genau dies ist hier der Fall. Worin liegt das Paradoxon? Schauen wir etwas genauer hin. Wenn ein Kunde (hier der westliche Leiterplattenhersteller) konkrete Anforderungen an Qualität und Preis stellt, muss er in der Lage sein, seinem (asiatischen) Leiterplattenzulieferer mit attraktiven Bestellmengen zu versorgen. Dann besteht eine realistische Chance die gewünschte Kombination aus Qualität und Preis zu erzielen.

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