Hinter den Kulissen

Die Sendermacher – Zwischen Wendelstein und Ulu Kali

25.10.12 | Redakteur: David Franz

Weltweit sind Sender und Messtechnik von Rohde & Schwarz für analoges und digitales Fernsehen im Einsatz – auch auf dem Wendelstein in den bayerischen Alpen.
Weltweit sind Sender und Messtechnik von Rohde & Schwarz für analoges und digitales Fernsehen im Einsatz – auch auf dem Wendelstein in den bayerischen Alpen. (Bild: Rohde & Schwarz)

In den 50er Jahren versammelten sich die Fans um ein Radio. Den Sieg der Nationalmannschaft in Bern feierte man am Hörfunkgerät. Seitdem hat sich bei den Übertragungsstandards im Rundfunkbereich viel verändert. Wir werfen einen Blick in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter des Fachbereichs „Terrestrische Sendesysteme“ bei Rohde & Schwarz.

Es ist wie eine Wand – eine Wand aus Schwüle und tropischer Hitze. Nach 12 Stunden Flug und Klimaanlage schieben sich die Glastüren des Flughafens auf und die Metrompole Singapur empfängt Cornelius Heinemann.

Mehrmals im Jahr reist er nach Asien, um sich zusammen mit seinen Kollegen um den Ausbau des Entwicklungsstandortes in der „Löwenstadt“ zu kümmern. Und wenn er schon „in der Gegend“ ist, besichtigt der Fachbereichsleiter gelegentlich die Sendestationen, wie beispielsweise in den Bergen Kuala Lumpurs. Nicht nur, weil er es „super spannend“ findet, sich über den Stand der Technik im malaysischen Gebirge zu informieren – fernab von heimischen Hochlagen wie dem Wendelstein – sondern auch, weil er in seinem Beruf auf dem Laufenden sein muss. Denn: Cornelius Heinemann ist Leiter des Fachgebiets „Terrestrische Sendesysteme“ bei Rohde & Schwarz.

Einführung einer komplett neuen Sendergeneration

Neben der internationalen Komponente reizt Heinemann vor allem das abwechslungsreiche Aufgabenfeld am Standort in München. Hier leitet er ein Team von rund hundert Mitarbeitern, die sich auf die Städte München und Berlin verteilen.

„Aktuell befinden wir uns in einer sehr spannenden Phase, weil wir eine komplett neue Sendergeneration in den Markt einführen. Auf die Features von TX9 (Sender der 9. Generation), wie die Einführung einer luftgekühlten Mittelleistungsfamilie und die Abdeckung weiterer Frequenzbereiche, warten die Kunden bereits gespannt“, erklärt Cornelius Heinemann stolz.

Doch nicht immer war der Fachbereich so gut aufgestellt wie heute. Früher beschäftigten sich die Teams mit der Entwicklung und Fertigung von stark kundenspezifischen Einzelsystemen. Heute produziert der Bereich standardisierte, weltmarktfähige Produkte.

„Die Kunst ist es, in ein Standard-Produkt so viele Funktionen wie möglich zu integrieren. Denn jeder Kunde erwartet ein Produkt, das seine speziellen Anforderungen abdeckt“, weiß Heinemann aus seiner Berufspraxis. Weltweit schätzen die Sendenetzbetreiber das breite Portfolio des 1933 in München gegündeten Unternehmen – vom kleinen 2-Watt-Sender, in der Größe vergleichbar mit der eines Desktop-PCs, bis hin zur großen 60-kW-Anlage bestehend aus mehreren 19-Zoll-Gestellen.

Bei der Produktion der Systeme achten die Entwickler darauf, die Gesamtbetriebskosten im Blick zu behalten. „Wir möchten im Paket (Einkaufspreis, Betriebskosten und Wartungsaufwand) überzeugende Lösungen anbieten. Für Sendenetzbetreiber ist beispielsweise die Stromrechnung ein veritabler Posten in den Betriebskosten. Wenn wir über eine neue Verstärkertechnologie Einsparungen erzielen, dann ist das ein wesentlicher Schritt nach vorn. An Verbesserungen wie dieser arbeiten wir kontinuierlich“, so der Fachbereichsleiter.

Den richtigen „Riecher“ durch direkten Kundenkontakt

Um bei neuen Marktanforderungen frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen, stehen die Rundfunk-Experten in intensivem Kontakt zu ihren Kunden. Auch Heinemann sucht mit den Netzbetreibern regelmäßig das Gespräch. „Am Beispiel von DVB-T2 zeigt sich ganz deutlich, dass wir immer über die Projekte unserer Kunden Bescheid wissen müssen. Der Übertragungsstandard wurde aufgrund der höheren Anforderung an die Datenübertragung im HDTV in manchen Ländern Europas rasch eingeführt und ist deshalb herausfordernd. Wer hier keinen Kundenkontakt hatte, kann dessen Anforderungen am Ende nicht rechtzeitig umsetzen. Wir haben beispielsweise im Rahmen einer DVB-T2 Roadshow eine Schulung zu DVB-T2 für die Netzbetreiber angeboten und waren damit gleich gut als Experten positioniert“, erklärt Cornelius Heinemann.

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