Neue Ermittlungen

VW bleibt Getriebener im Diesel-Skandal

17.05.17 | Autor / Redakteur: Thomas Strünkelnberg, dpa / Benjamin Kirchbeck

Wünscht sich vermutlich seine Zeit als Porsche-Boss zurück: Gegen VW-Konzernchef Matthias Müller laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation im Diesel-Skandal.
Wünscht sich vermutlich seine Zeit als Porsche-Boss zurück: Gegen VW-Konzernchef Matthias Müller laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Marktmanipulation im Diesel-Skandal. (Bild: Philipp von Ditfurth/dpa)

Dieselskandal, Milliardenzahlungen, Ermittlungen, Aufarbeitung - und dann neue Ermittlungen: Manch einer aus der VW-Führungsriege dürfte sich wünschen, einfach wieder arbeiten und das düstere Kapitel Abgas-Skandal endlich abhaken zu können. Doch daraus wird vorerst nichts.

Die Wogen begannen sich gerade zu glätten: Stolz verkündet VW satte Gewinne im ersten Quartal. Da platzt nun die nächste schlechte Nachricht. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen des Verdachts auf Marktmanipulation gegen aktuelle und ehemalige Top-Manager - diesmal aber des VW-Haupteigners Porsche SE.

Allerdings sind die Beschuldigten teils dieselben wie in bisherigen Verfahren. Im Fokus stehen Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, aber erstmals auch Winterkorns Nachfolger Matthias Müller.

Denn neben Müller waren - oder sind - auch die anderen Beschuldigten für die Beteiligungsgesellschaft tätig: Winterkorn war Porsche-SE-Chef, Pötsch Finanzvorstand und Müller Vorstand für Unternehmensentwicklung und Strategie. Trotz der Konzentration auf die Manager der Beteiligungsgesellschaft ist für Autoexperte Stefan Bratzel klar: Das juristische Nachspiel des Dieselskandals schwebe über der Zukunft von Volkswagen.

Schwer einzuschätzen ist nach Einschätzung des Experten vom Center of Automotive Management (CAR) in Bergisch Gladbach, wie stark die Ermittlungen dem Geschäft und dem Image von Volkswagen schaden. Fest stehe: Der Skandal müsse auf- und abgearbeitet werden, betont Bratzel. „Eine andere Chance haben sie nicht."

Schwerer allerdings dürften die Ermittlungen für die Führungskräfte selber wiegen, mutmaßt Bratzel. Er spricht von einer „unschönen Belastung", mit der schwer umzugehen sei.

Was war geschehen? Im September 2015 hatten US-Behörden aufgedeckt, dass Volkswagen in den USA die Abgasmessung von Dieselfahrzeugen manipulierte. Danach brach der Börsenkurs ein, die Aktien verloren zwischenzeitlich fast die Hälfte ihres Werts. Das rief wütende Anleger auf den Plan, die Volkswagen vorwarfen, zu spät über den Betrug informiert zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart spricht nun von einem „Anfangsverdacht", wonach dies auch im Fall der Folgen der Krise für die Porsche SE geschehen sei. Der VW-Hauptaktionär weist die Vorwürfe zurück, wie zuvor auch schon VW in eigener Sache.

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