Autonome Fahrzeugtechnik

Plant BMW wegen Intel und Mobileye ein Forschungszentrum in Israel?

20.03.17 | Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Brian Krzanich, Vorstandsvorsitzender von Intel, Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender BMW AG, und Amnon Shashua, Mobileye Mitbegründer, Vorstandsvorsitzender und CTO Professor.
Brian Krzanich, Vorstandsvorsitzender von Intel, Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender BMW AG, und Amnon Shashua, Mobileye Mitbegründer, Vorstandsvorsitzender und CTO Professor. (Bild: BMW Group)

Der Münchener Autobauer BMW plant in Israel offenbar ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum. Welche Rollen spielen hierbei der Automobilzulieferer Mobileye sowie der Chip-Konzern Intel und welche Bedeutung kommt Israel als Standort für sich genommen zu?

Wie das israelische Magazin Globes erfahren haben will, befindet sich aktuell eine BMW-Delegation in Israel. Ziel des Besuchs sei es, sich ein Bild über die hiesigen Startups zu verschaffen. Zudem würden die Möglichkeiten für die Errichtung eines neuen Forschungszentrums ausgelotet, heißt es weiter.

Auch wenn es wenig später zu einem vorläufigen Dementi seitens BMW gegenüber der Automobil-Produktion kam, würde ein Entwicklungslabor in Israel aus mehreren Punkten Sinn ergeben. Einerseits wird der Staat in Vorderasien als Innovationslabor der Automobilindustrie angesehen, zum anderen befindet sich in Jerusalem mit Mobileye BMWs strategischer Partner im Bereich des autonomen Fahrens.

Israel selbst gilt als das Land der Start-ups. 5.000 gibt es gegenwärtig und mehr als 500 dieser Unternehmen arbeiten direkt für die Automobilindustrie an der Entwicklung von digitalen Dienstleistungen und Produkten. Analysten von Roland Berger hatten zudem im Jahr 2016 in einer Studie berechnet, dass in den vergangenen vier (2011-2015) Jahren über 1,6 Milliarden US-$ an Investitionen in den israelischen Smart-Mobility-Sektor geflossen sind.

Goodbye Tesla – Welcome BMW and Intel

Mobileye gilt als Spezialist im Segment des autonomen Fahrens. Im Juli 2016 hatte das nur 600-Mann große Unternehmen für Furore gesorgt, als es die Partnerschaft mit Tesla aufkündigte und sich BMW und dem amerikanischen Chip-Giganten Intel zuwendete. Man werde Tesla zwar weiterhin Updates für bereits gelieferte Sensoren zur Verfügung stellen, aber keine neue Hardware, verkündete im vergangenen Juli der Mobileye-Mitbegründet Amnon Shashua.

BMW, Intel und Mobileye verfolgen seitdem den ehrgeizigen Plan, bis 2021 ein auf Autobahnen und begrenzten Stadtbereichen autonom fahrendes Fahrzeug zu entwickeln. Mobileye liefert hierfür die kamerabasierten Assistenzsysteme. Seit letzter Woche hat sich das Gefüge der drei Geschäftspartner nun etwas verschoben: Intel hat das israelische Unternehmen für 15,3 Milliarden US-$ übernommen.

Nach Bekanntwerden des Kaufpreises kam es mehrfach zu kritischen Anmerkungen von Branchenexperten. Diese kritisierten, dass die Transfersumme weit über dem Marktwert von Mobileye liege. Stacy Rasgon, Analystin beim kalifornischen Investmenthaus Bernstein, wunderte sich, wann zuletzt jemand so viel bezahlt habe, um so wenig zu erwerben.

BMW-Manager korrigiert seine Aussage zum vollautonomen Fahren

Vergangene Woche hatte BMW für Aufsehen gesorgt, als BMW-Bereichsleiter Elmar Frickenstein gegenüber einer Nachrichtenagentur verkündete, dass man auf dem Weg sei, bis zum Jahr 2021 ein Auto mit dem autonomen Level 3, 4 und 5 zu liefern.

Bei der fünften Stufe des autonomen Fahrens, kann vollständig auf ein Lenkrad verzichtet werden. Währenddessen muss der Fahrer bei der dritten und vierten Stufe immer die Möglichkeit haben, per Lenkrad aktiv in den Fahrprozess einzugreifen.

Mittlerweile hat der BMW-Manager seine Aussage jedoch gegenüber der Automobilwoche richtig gestellt: „Wir werden 2021 hochautomatisiertes Fahren mit Level 3 im iNext anbieten – so wie wir es bereits schon vielfach angekündigt haben. […] Ob der iNext 2021 die Technik vollumfänglich für Level 4 und 5 verbaut hat, steht heute noch nicht fest.“

Ab der zweiten Jahreshälfte werden aber bereits rund 40 autonom fahrende BMW zu Testzwecken in den USA und Europa auf die Straße gebracht. Bei einem gemeinsamen Auftritt auf der CES 2017 hatten die drei Unternehmen präzisiert, dass es sich bei den Testfahrzeugen um den BMW 7er mit der neuesten Technologie von Intel und Mobileye handle.

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