Ermittlungen in Dieselaffäre

Razzia an mehreren Audi-Standorten

15.03.17 | Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Gerstl

Die Staatsanwaltschaft München hat im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen Unbekannt Durchsuchungen bei Audi-Standorten in Ingolstadt und Neckarsulm, in Wolfsburg und auch in einigen privaten Wohnungen veranlasst. Ziel der Ermittlungen ist, herauszufinden, wer an der manipulierten Abgas-Software und an den falschen Versprechen gegenüber den Autokäufern in den USA beim Konzern beteiligt war.
Die Staatsanwaltschaft München hat im Zuge eines Ermittlungsverfahrens gegen Unbekannt Durchsuchungen bei Audi-Standorten in Ingolstadt und Neckarsulm, in Wolfsburg und auch in einigen privaten Wohnungen veranlasst. Ziel der Ermittlungen ist, herauszufinden, wer an der manipulierten Abgas-Software und an den falschen Versprechen gegenüber den Autokäufern in den USA beim Konzern beteiligt war. (Bild: Audi)

Auf der Jahrespressekonferenz wollte Audi-Chef Stadler eigentlich einen Ausblick in die Zukunft geben. Doch die Justiz machte ihm überraschend einen Strich durch die Rechnung: Während der Jahrespressekonferenz von Audi haben mehr als 100 Polizisten und Staatsanwälte die Zentrale des Autobauers, weitere Standorte und Wohnungen von Mitarbeitern durchsucht.

Nach einem schwarzen Jahr wollte Audi-Chef Rupert Stadler auf der Jahrespressekonferenz den Blick eigentlich in eine bessere Zukunft richten: Elektro-Autos, Digitalisierung, Pilotprojekte - nach dem Diesel-Skandal wollte sich der Autokonzern neu erfinden. Doch dann standen am Mittwoch früh plötzlich Staatsanwälte und Beamte des bayerischen Landeskriminalamts mit einem Durchsuchungsbefehl in der Audi-Zentrale in Ingolstadt. Stadlers Tag war im Eimer.

Eineinhalb Jahre nach der Aufdeckung des VW- und Audi-Diesel-Skandals in den USA leitete die für Ingolstadt zuständige Staatsanwaltschaft München II „ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Betruges und der strafbaren Werbung“ ein. Mit den Aktionen solle geklärt werden, wer an der Verwendung der manipulierten Abgas-Software und an Falschangaben beteiligt gewesen sei, erklärte die Behörde am Mittwoch.

Audi-Chef Rupert Stadler sagte: „Weder bei mir zuhause noch in meinem Büro ist durchsucht worden.“ Er verwies auf die intensiven Ermittlungen der US-Anwaltskanzlei Jones Day bei Audi und auf den Aufsichtsrat des VW-Konzerns, der sich im Februar klar hinter ihn gestellt hatte. Er habe sich stets für die Aufklärung der Diesel-Affäre eingesetzt, sie „ist aktuell mein zentraler Job als Vorstandsvorsitzender“, sagte Stadler, der am kommenden Freitag 54 Jahre alt wird.

Seit 2007 steht der Betriebswirt an der Spitze von Audi, als erster Nicht-Ingenieur auf diesem Posten. Bereits zwei Audi-Technikvorstände - Ulrich Hackenberg und dessen Nachfolger Stefan Knirsch - stolperten über die «Diesel-Thematik». Vier Audi-Mitarbeitern wurde gekündigt. Gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn und 30 weitere Personen ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Aber Stadler steht.

Audi, VW und Porsche hatten in den USA rund 83 000 Autos mit Audi-Dieselmotoren und einer dort illegalen Software verkauft, die niedrigere Abgaswerte angibt. Audi und VW hatten das in einem milliardenschweren Vergleich mit dem US-Justizministerium bereits eingeräumt. Die Nachbesserung oder Rücknahme der betroffenen Autos soll voraussichtlich im Juli starten.

Nur die Manipulationen in den USA sind auch der Gegenstand der Münchner Ermittlungen. Staatsanwälte und Beamte der Landeskriminalämter Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen hätten Audi-Standorte sowie sieben weitere Objekte durchsucht, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ob auch Wohnungen von Vorständen durchsucht wurden, blieb offen.

Bei ihren Razzien wegen Betrugsverdachts im Diesel-Skandal bei Audi haben Ermittler am Mittwoch auch einen Standort am Volkswagen-Stammsitz Wolfsburg durchsucht. Dies sagte ein Sprecher des VW-Konzerns. Zuvor hatte der NDR darüber berichtet. Zu Details könne man sich mit Blick auf die laufenden Untersuchungen noch nicht äußern, hieß es. Am Morgen hatten Staatsanwälte und Polizisten an verschiedenen Orten mit der Aktion begonnen - auch in der Audi-Zentrale in Ingolstadt, wo das Unternehmen seine Zahlen für das Jahr 2016 vorstellte, sowie im Audi-Werk Neckarsulm.

Die Diesel-Verfahren hatten die VW-Konzerntochter im vergangenen Jahr 1,86 Milliarden Euro gekostet. Für das laufende Jahr sehe er aber derzeit keine Notwendigkeit für weitere Rückstellungen, sagte Audi-Finanzvorstand Axel Strotbek.

Stadler meinte: „Als Konsequenz aus der Diesel-Affäre stellen wir bei Audi alles auf den Prüfstand.“ Die Aufarbeitung sei „noch lange nicht abgeschlossen“. Aber sein Unternehmen tue alles, „dass so etwas wie die Diesel-Affäre bei uns nie wieder passiert“.

Niedersachsens Regierungssprecherin Anke Pörksen begrüßte, dass die Staatsanwälte „da genau hinschauen“. Für weitere Äußerungen des Aufsichtsrats gebe es im Moment „keinen Handlungsbedarf, aber das kann sich natürlich ändern“. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sitzt auch im Aufsichtsrat des VW-Konzerns.

Audi präsentierte am Mittwoch zudem schwache Verkaufszahlen. Der Streit mit den Vertragshändlern in China macht dem Unternehmen weiter zu schaffen - allerdings nicht mehr so stark wie im Januar. Die VW-Tochter verkaufte auf dem wichtigsten Automarkt im Februar 5,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Weltweit sanken die Auslieferungen deshalb um 1,1 Prozent auf 125 100 Autos.

Audi verkauft jedes dritte Auto in China. Stadler sagte in Ingolstadt, die Händler dort hielten sich im Moment zurück, weil der Konzern eine zweite Vertriebsschiene mit dem Partner SAIC in Schanghai eröffnet habe. Das belaste den Jahresauftakt. Vertriebschef Dietmar Voggenreiter zeigte sich zuversichtlich, dass die Verunsicherung in den nächsten Wochen beendet werde und man wieder zulege.

Für das Gesamtjahr stellte Strotbek einen neuen Bestwert bei den Auslieferungen in Aussicht. Dazu soll auch die Markteinführung des neuen Flaggschiffs A8 beitragen. Der Umsatz soll leicht steigen und die Umsatzrendite über 8 Prozent bleiben.

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Wahrscheinlich wird es auf Geldstrafen hinauslaufen, d.h. das die Zöglinge dieser sog. Eliten...  lesen
posted am 16.03.2017 um 13:11 von jovan4981

Da bin ich mal gespannt, ob man die verantwortlichen hohen Herren des sog. Management, oder der...  lesen
posted am 16.03.2017 um 12:36 von Unregistriert


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