Mobile World Congress Barcelona

Bits statt Benzin: Die Automobilbranche entdeckt den Mobile World Congress

02.03.17 | Autor / Redakteur: SP-X/Michael Gebhardt / Sven Prawitz

Die Automobilhersteller entdecken den Mobile World Congress in Barcelona für sich – IT-Unternehmen wollen sich ihr Stück vom Auto-Kuchen sichern.
Die Automobilhersteller entdecken den Mobile World Congress in Barcelona für sich – IT-Unternehmen wollen sich ihr Stück vom Auto-Kuchen sichern. (Bild: Mercedes-Benz)

Warum bis Genf warten? Nach der CES in Las Vegas sind die Automobilhersteller nun auch auf dem Mobile World Congress in Barcelona stärker präsent als je zuvor. Die IT-Branche wiederum will sich ihr Stück vom Auto-Kuchen sichern und rückt Automotive-Lösungen stärker in den Fokus.

Es ist nicht lange her, da hielt sich das Automobil-Jahr noch an feste Regeln. Die Branche traf sich zu den großen Messen, in Detroit, Genf, Frankfurt oder Paris, und präsentierte einem gleichermaßen bekannten wie routinierten Publikum Konzept-Studien und neue Serienmodelle. Doch seit einiger Zeit werden dieses Regeln aufgebrochen: Auf High-Tech-Messen wie der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas oder dem gerade stattfindenden Mobile World Congress in Barcelona zeigen IT- und Kommunikations-Unternehmen ihre Ambitionen im Automobil-Sektor, die Hersteller präsentieren keine ganzen Autos mehr, sondern neue Bedienkonzepte, Apps und Service-Angebote und plötzlich interessieren sich Computer-Zeitschriften und News-Blogs für den vierrädrigen Begleiter.

Das Auto wird zum Teil des Internet der Dinge, der allumfassenden Vernetzung von Mensch, Heim und Welt. Wir, so die Zukunftsforscher, steigen bald nicht mehr nur ein, um von A nach B zu kommen, nein, wir leben im Auto, es soll Teil unseres Alltags werden: Ein bisschen Wohnzimmer, ein bisschen Büro, ein bisschen Kinosaal.

Das alles funktioniert nur, wenn der Wagen nahtlos in unsere Welt eingebunden ist, also mit unserem Smartphone kommunizieren kann, unser Amazon-Konto kennt und unsere Heizung steuern kann. Und genau auf diesem Gebiet brauchen die etablierten Autobauer Unterstützung aus der IT-Branche – wer hundert Jahre lang Blech verformt und Motoren optimiert hat, wird nicht über Nacht zum Experten für Bits und Bytes.

Connectivity im Fokus

Wie schnell die Hersteller allerdings lernen, zeigt zum Beispiel Mercedes. Auf dem Messestand in Barcelona präsentiert sich der Stuttgarter Hersteller Start-up-jugendlich und rückt unter anderem seine Connectivity-Sparte Mercedes Me ins Rampenlicht. Die greift das bereits auf der CES gezeigte Wohlfühl-Konzept Fit & Healthy auf, diesmal allerdings ohne direkten Bezug zum Auto. Ging es in Las Vegas darum, mit der Sitzmassage oder über Musik und Beduftung für ein gutes Gefühl während der Fahrt zu sorgen, steht jetzt die komplette Einbindung in den Alltag im Fokus. Ein Beispiel: Das System kennt den Kalender und die aktuellen Staudaten, also berechnet es individuell, wann der Wecker klingeln muss.

Außerdem präsentieren die Stuttgarter ihre neuesten Entwicklungen im Bereich Virtual Reality: Anstatt sich mit zweidimensionalen Konfiguratoren oder einem Papierkatalog rumzuschlagen, kann der Kunde sein Wunschfahrzeug im Autohaus zukünftig in 3D erleben. Mithilfe einer Virtual-Reality-Brille lassen sich verschiedene Ausstattungsdetails live verändern und der Käufer kann einen virtuellen Spaziergang durch sein neues Auto unternehmen.

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