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Experten skizzieren die Antriebstechnik der Zukunft

15.05.17 | Autor / Redakteur: Die Interviews führte Karin Pfeiffer / Karin Pfeiffer

Wenn es um die Automatisierung geht, steckt für viele in der Antriebstechnik praktisch pures Gold.
Wenn es um die Automatisierung geht, steckt für viele in der Antriebstechnik praktisch pures Gold. (Bild: KSB AG/Reel Supreme)

Die Experten von Bosch-Rexroth, Bauer Gear Motor und Lenze sind sich weitgehend einig: Mit der Systemintegration als Treiber steckt in der deutschen Antriebstechnik noch viel Potenzial – für die Industrie und andere Märkte.

Die deutsche Antriebstechnik gilt ganz generell international als Innovationstreiber. Woraus speist sich die Innovationsführerschaft? Lassen sich bestimmte Erfolgsmuster erkennen oder eher Probleme?

Karl-Peter Simon: Haupttreiber ist die Anwendungskompetenz und der breite Mittelstand in Deutschland, welcher international vermarktet. Anwendungslösungen mit integrierten Motion-Control-Funktionalitäten haben sehr stark den Markt in den letzten Jahren gestaltet. Was jetzt auch durch die firmenübergreifende Zusammenarbeit für Industrie 4.0 sichtbar ist. Die Definition bzw. Standardisierung der Verwaltungsschale wird hierzu ein wichtiger Meilenstein sein. Dies muss in enger Abstimmung mit den MItgliedern des ZVEI und VDMA erfolgen.
Generell ändert sich der Motorenmarkt durch neue Motor-Verordnungen. Es gibt nicht mehr den globalen Standard Asynchronmotor. Dieser wird angepasst und optimiert nach Markt und Anwendung, z.B. Asynchron Standard/mit angepasster Wicklung, PSM, Reluktanz ... Das Projekt DC Industrie wird die Integrationen von Umrichtern in Motoren fördern. Und die Autoindustrie wird der Treiber sein. Der Einfluss der Elektroantriebstechnik für Autos muss sehr genau beobachtet werden.

Thomas Fey: Die Servoantriebstechnik ist das Herz moderner, performanter Fertigungseinrichtungen. Mit der Digitalisierung der Produkte haben Technologien Einzug gehalten, die neben den klassischen Merkmalen wie hoch-performanten Regelalgorithmen oder optimierter elektromagnetischer Auslegung eine lokale Intelligenz und die Möglichkeit der Implementierung von Anwender-Routinen erlauben. Definierte Schnittstellen und ein offener Datenzugriff fordert dabei die Kreativität der Anwender heraus.

Eine solche Plattform erlaubt es Maschinenherstellern, die Funktionen umzusetzen, die sie brauchen, um ihre Maschineninnovationen zu realisieren und gegen den internationalen Wettbewerb zu bestehen. Dabei geht es nicht mehr nur um die Optimierung des Produktionsprozesses, sondern auch um die nahtlose Integration von Fertigungseinrichtungen in die IT-Infrastruktur des Endkunden.

Frank Maier: Innovationsführerschaft wurde aus meiner Sicht in den letzten Jahrzehnten aus der Maschine heraus gespeist, also aus der Systemintegration. Die Systemintegration halte ich für eine der wichtigsten Kernkompetenzen der deutschen Industrie überhaupt. Der zentrale technologische Treiber der 3. Industriellen Revolution war die Halbleitertechnik, hier sind wir in Deutschland schwach aufgestellt.

Auch die PLC stammt ja ursprünglich aus den USA, aber wir sind sicher die geschicktesten Nutzer dieser Technologie in einem Gesamtsystem – genannt Maschine. Dabei folgten wir viele Jahre dem olympischen Prinzip „schneller, besser, qualitativer“, in jüngerer Zeit auch energieeffizienter und durch den Druck aus Asien auch verstärkt kostengünstiger.
Wir müssen dabei natürlich höllisch aufpassen, dass wir nicht in das „Innovator’s Dilemma“ verfallen, also von neuen, völlig anderen Ansätzen angegriffen oder gar ersetzt zu werden. Wir haben dieser Tage ja genau diese Diskussion wieder: nämlich im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Und diese Auseinandersetzung ist gut und wichtig.
Bezüglich der Antriebstechnik sehe ich im Bereich Material-Handling jedweder Art sehr viel Bewegung, denken Sie an kollaborierende Roboter mit enormen Anforderungen an die Sicherheitstechnik, an AGVS oder andere hochflexible Fördertechnik, und natürlich das neue Thema Daten- oder besser Informationsmanagement.

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